Wolfgang Hawly

Kalte Enteignung 80 Prozent Kaufkraftverlust: Wie sich das Geld der Deutschen langsam auflöst

Die Deutschen werden durch die Politik der EZB kalt enteignet. Doch das ist alles erst der Anfang. Was auf Sparer und Verbraucher zukommt  – und wie sich gegensteuern lässt.

„Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht – und mach dann noch ’nen zweiten Plan, geh’n tun sie beide nicht“, ließ Bertolt Brecht den Bettlerkönig Peachum in der „Dreigroschenoper“ singen. Das Trauerspiel um den Euro erinnert frappant an Brechts „Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“.

Der oberste Währungshüter, Ex-Goldman-Sachs-Banker Mario Draghi, ehemaliger Präsident der italienischen Notenbank und heutiger Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), hat einen solchen Plan – und der besteht darin, den Euro zu retten, „was immer dafür auch nötig ist“.

Dafür opfert er ohne jegliche Skrupel das Vermögen der Deutschen. Die Politiker, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, lassen ihn gewähren, ja, bestätigen ihn geradezu. Merkels Satz „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, den sie wie ein Mantra monatelang in der Öffentlichkeit verbreitete, ist bis heute nicht vergessen.

Fatale Gebetsmühle

„Eine zuverlässige Methode, Menschen dazu zu bringen, falsche Aussagen zu glauben, ist häufiges Wiederholen, weil Vertrautheit sich nicht leicht von Wahrheit unterscheiden lässt“, enträtselt der israelisch-amerikanische Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman Merkels Mantra-Methode.

Dabei „muss, wer A sagt, nicht B sagen“, um bei Brecht zu bleiben. Denn „er kann auch erkennen, dass A falsch war“. Davon ist jedoch momentan nichts zu spüren.

Schleichender Vermögensverlust

Dass A falsch war, erkennen Anleger, Sparer, Arbeitnehmer und Versicherte auf schmerzhafte Weise: Ihr Vermögen oder das Entgelt für ihre Leistung nimmt ab. Die offizielle Inflation ist hierzulande mit 0,8 Prozent zwar niedrig, die Zinsen auf Tagesgeld sind jedoch noch niedriger. Dafür bekommen Sparer im Schnitt 0,5 Prozent, auf Sparbücher noch weit weniger.

Die Folge: Das Vermögen zerrinnt zwischen den Fingern. Bislang kostete die Niedrigzinspolitik deutsche Sparer 23 Milliarden Euro, so der „Global Wealth Report“ der Allianz – und jedes Jahr kommen 15 Milliarden dazu, hat Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der TU Dortmund, ausgerechnet. „Damit könnte man Stuttgart 21 dreimal bauen“, spöttelt er. Sparer werden jetzt schon teilenteignet durch negative Realzinsen – und die „sind eine direkte Folge der Euro-Krise“, so Krämer.

Video-Rundgang: So pompös ist der neue Doppelturm der EZB

FOCUS Online/WochitKoloss aus Stahl und Glas: So pompös ist der neue Doppelturm der EZB

80 Prozent Kaufkraftverlust in 40 Jahren – mindestens

Fairerweise ist zu sagen, dass es selbst der Deutschen Bundesbank nicht immer gelang, sich erfolgreich gegen diesen Trend zu stemmen, auch nicht, als sie noch ausschließlich für die Geldwertstabilität verantwortlich zeichnete. Der Kaufkraftverlust hielt sich jedoch im Rahmen.

In den vergangenen vier Jahrzehnten verloren die D-Mark und anschließend der Euro „nur“ etwas mehr als 60 Prozent an Wert, ein Dollar ist hingegen heute lediglich 20 Cent wert. Das wahre Ausmaß des Kaufkraftverlusts dürfte indes noch viel größer sein, als es die offiziellen Statistiken suggerieren. Denn, so Uwe Bergold von GR Asset Management: „Die Notenbanken justieren die Statistiken.“

Damit soll verschleiert werden, dass die Inflation noch weit schlimmer an der Kaufkraft nagt als gedacht.

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Thomson Reuters Datastream

Der amerikanische Ex-Unternehmensberater John Williams und Betreiber desInternet-Portals Shadowstats hat die kreative Buchführung der Statistikbehörde korrigiert und kommt auf ganz andere Werte: Statt aktuell 1,7 Prozent sind es Williams zufolge mehr als fünf Prozent, rückgerechnet auf die 90er-Jahre, und sogar annähernd zehn Prozent, rückgerechnet auf die 80er-Jahre. Hierzulande ermittelt die Unicredit die „gefühlte Inflation“, die beispielsweise für das vergangene Jahr auf 2,2 Prozent Preissteigerung kommt statt der offiziellen 1,5 Prozent.

Nur noch drei bis fünf Jahre bis zum Kollaps

Momentan ist sie allerdings deutlich niedriger – trotz Draghis Ankündigung, die geldpolitische Bazooka auszupacken. Bislang ist es beim Reden geblieben. Die Bilanzsumme der EZB ist sogar von mehr als drei Billionen Euro Anfang 2013 auf jetzt zwei Billionen gesunken. Das soll sich spätestens Anfang 2015 ändern. Ob das allerdings viel hilft?

Zuerst werden die Asset-Preise nach oben getrieben, das heißt, die Aktienkurse steigen, und der eh schon angeheizte Immobilienboom setzt sich fort. Erst dann kommt das Geld auch in der Realwirtschaft an. Generell gelte, so Krämer, dass jede Erhöhung der Geldmenge einen Anreiz zur Preiserhöhung biete – „und dieser Anreiz setzt sich langfristig auch in höheren Preisen durch“.

Das hat auch der amerikanische Banker und Portfolio-Manager James Rickards erkannt und in seinem Bestseller „Die Geldapokalypse – der Kollaps des internationalen Geldsystems“ detailliert beschrieben. Er gibt dem internationalen Finanzsystem nur noch drei bis fünf Jahre, bis es zusammenbricht.

Verlässlicher als Verbraucherpreisindizes ist ein Vergleich des Papiergelds mit Gold. Eine Währung, die mit Gold hinterlegt ist, wie bis 1973 der Fall, verliert kaum an Kaufkraft. 1971 kündigte der amerikanische Präsident Richard Nixon jedoch den Goldstandard auf, zwei Jahre später wurden die Wechselkurse freigegeben.

 

Dann passierte Folgendes:Der Dollar verlor gegenüber Gold dramatisch an Wert. Gab es damals für 35 Dollar noch eine Feinunze (31,1 Gramm), so bekommt ein Käufer heute weniger als ein Gramm. Dieser Wertverfall hat sich in den vergangenen 15 Jahren sogar beschleunigt, wie Bergold rekapituliert.

„Aktuell bekommen Anleger für 20 Euro nur noch 0,6 Gramm Gold, das heißt, in den vergangenen 15 Jahren haben sie 75 Prozent an Kaufkraft verloren“, so der Experte. Gold sei ein besserer Inflationsindikator als jeder Konsumentenpreisindex, habe selbst der ehemalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan eingeräumt.

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Thompson Reuters Datastream

 

Muss Deutschland für die Schuldenstaaten zahlen?

Das Finanzvermögen der Deutschen ist Krämer zufolge nicht nur von der Inflation bedroht: „Der zweite Angriff ist der potenzielle und durch den Bundestagsbeschluss (am 29. Juni 2012 stimmten die Abgeordneten über den Euro-Rettungsschirm ESM ab) wahrscheinlicher gewordene Wertverfall desjenigen Teils des deutschen Auslandsvermögens, der direkt oder indirekt aus nicht einklagbaren Forderungen der Bundesbank entsteht.“

Wie bei der Inflation finde hier die Enteignung auf eher kaltem Weg statt. Sollten die Forderungen der Bundesbank gegen Länder wieGriechenland, Italien, Portugal, Spanien undZypernuneinbringlich sein, löst sich ein Milliardenvermögen in Luft auf – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch.

Astronomisch hohe Schulden

Griechenlands Staatsschulden beispielsweise haben 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht. Italien steht mit 2,2 Billionen Euro in der Kreide, was 140 Prozent des BIP entspricht. Sie agieren nach dem Ponzi-Prinzip und zahlen alte Schulden mit neuen zurück. Da braucht es schon ganz viel Optimismus, um sich vorzustellen, dass die Gläubiger ihr Geld jemals wiedersehen.

Der dritte Angriff dagegen ist das Haftungsrisiko, das die Bundesregierung in unserem Namen eingegangen ist. Das Ifo-Institut aktualisiert die ständig steigenden Haftungssummen und kommt auf ein Potenzial von mehr als 500 Milliarden Euro, wovon ein Teil bereits als Nothilfen ausgezahlt wurde.

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Thompson Reuters Datastream

Die Deutschen profitieren nicht vom Euro

Die Befürworter des Euro-Rettungsschirms sind auch heute noch davon überzeugt, dass die Deutschen die „Nettogewinner“ des Euro sind. Finanzprofi Krämer ist da allerdings ganz anderer Meinung, denn „real gesehen, bringen die deutschen Exporte immer weniger Ertrag“. Dazu verweist er auf ein Beispiel: „1995 konnte man für den Listenpreis einesVW Golf noch 33 Wochen in einem griechischen 3-Sterne-HotelUrlaubmachen, im Jahr 2000 reichte der Erlös noch für 30 Wochen, 2005 noch für 25 Wochen, und 2010 war bereits nach 23 Wochen Schluss.“ Das entspreche einem Wertverlust in griechischen Urlaubseinheiten von einem Drittel.

Die Einschätzung, dass die Deutschen „am Ende den Euro stützen und zahlen, weil das Land so viel vom Euro profitiert hat“, sieht er als „kompletten Unsinn“ an. Tatsächlich ist es doch so, dass die Reallöhne hierzulande schon seit Jahren stagnieren und der deutsche Einzelhandel den Gürtel enger schnallen muss.

Seit 2000 setzt der Handel real keinen Euro mehr um, was letztlich auch verständlich ist, da die Verbraucher ebenfalls nicht mehr im Geldbeutel haben. „Seitdem es den Euro gibt, sind viele Menschen in Europa reicher geworden, die meisten aber nicht in Deutschland, sondern anderswo“, so Krämers Resümee.

Neben den Reallöhnen und Einzelhandelsumsätzen stagnieren auch die Investitionen in Deutschland seit Langem, denn „die Deutschen investierten zwar, aber nicht im eigenen Land“, bedauert der Finanzstatistiker.

Banken und Versicherungen, denen die Deutschen ihr Geld anvertrauen, legten die Kundengelder vorzugsweise außerhalb Deutschlands an. In Spanien, Italien und Portugal entstanden Urlaubskomplexe und neue Straßen, hierzulande verfallen Brücken und Tunnel. Erst seit der Finanzkrise kehrt sich das Verhältnis um.

Lösungen für die „Kalte Enteignung“

Krämer hat in seinem Buch „Kalte Enteignung – wie die Euro-Rettung uns um Wohlstand und Renten bringt“ zwar die Gründe für diese Entwicklung geliefert, aber keine Lösung.

Die kommt hingegen vom Fondsmanager und Goldexperten Bergold. Es gehe doch darum, herauszufinden, „mit welchen Anlageklassen ich zumindest den Kapitalerhalt schaffe“, so seine Forderung. „In den ersten 30 Jahren von 1969 bis 1999 habe ich fünf Prozent Rendite gebraucht, um den Kaufkraftverlust auszugleichen, seit der Euro-Einführung (im Jahr 1999) sind es zehn Prozent pro Jahr.“

Das ist mit dem Dax nicht zu schaffen, denn der legte in den vergangenen knapp 14 Jahren einschließlich Dividenden nur um ein Drittel zu. Daraus errechnet sich eine jährliche Rendite von gerade einmal 2,1 Prozent. „In Gold bewertet, liegt der Dax aktuell etwa 75 Prozent im Minus“, urteilt Bergold. Gold generierte seiner Kalkulation zufolge eine jährliche Rendite von mehr als zehn Prozent – und neutralisierte den Wertverlust des Euro.

Gold plus Aktien als Gegenmittel

Anleger, die den regressiven Verfall der Kaufkraft kompensieren wollen, müssen umdenken: Anleihen,Tagesgeld oder gar Sparbücher sind ungeeignet. Anleihen deswegen, weil sie kaum noch Zinsen abwerfen und ihr Ausfallrisiko wächst. Immobilien? Draghi schafft es, auch den „deutschen Bauboom kaputtzumachen“, fürchtet Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. In guten Lagen ist der Preispoker bereits ausgereizt. Ganz abgesehen davon, dass Anleger damit ein Klumpenrisiko eingehen.

Bleiben noch Gold und Aktien. Warum nicht beides mischen? FOCUS-MONEY hat durchgerechnet, wie ein solcher Mix im Verhältnis 50 : 50 sich binnen 40 Jahren entwickelt hätte. Um es kurz zu sagen, er hätte sich versechzehnfacht, oder, anders ausgedrückt, aus hundert Euro, respektive 195,58 DM, wären von 1974 bis 2014 mehr als 1.600 Euro (3.129,33 DM) geworden.

Da der Dax erst 1988 eingeführt wurde, hat FOCUS-MONEY denS&P-500 genommen. Der US-Index weist für diesen Zeitraum ein Plus von 3.800 Prozentpunkten aus, Gold von mehr als 1000. Natürlich haben die Notierungen von Aktien und Gold in der Zwischenzeit teilweise heftig geschwankt, der Gold-Aktien-Investmentansatz hätte jedoch in allen Phasen funktioniert.

In jeder Dekade seit 1974 haben die Anleger die Inflation locker geschlagen. Lediglich von 1984 bis 1994 fiel das Plus etwas bescheidener aus. Einen entsprechenden Mix können Anleger selbst zusammenstellen – mit Indexfonds auf den S&P-500 und Gold oder internationalen Aktienfonds.

Wolfgang Hawly

STUDIE                                                                                                                                         Das sind die umweltfreundlichsten Unternehmen der Welt

Zum fünften Mal hat es der Münchner Autobauer BMW bereits auf die Liste der umweltfreundlichsten Unternehmen der Welt geschafft.
Zum fünften Mal hat es der Münchner Autobauer BMW bereits auf die Liste der umweltfreundlichsten Unternehmen der Welt geschafft. (©dpa)

Umweltschutz lässt Kasse klingeln: Investitionen in Konzerne mit geringen Co2-Emissionen bringen nach einer neuen Studie 67 Prozent mehr Gewinn. Gut also, wenn ein Konzern auf der Liste des Carbon Disclosure Projects steht – wie viele Dax-Konzerne.

Im September dieses Jahres trafen sich die Regierungschefs der Welt wieder einmal zum Klimagipfel der Vereinten Nationen. Die Worte, die dort fielen, waren mehr als deutlich: Die Politik muss handeln. Denn noch immer sind die CO2-Emissionen zu hoch. Um den Klimawandel aufzuhalten, müssen sie reduziert werden. Dringend. Dass die Politik irgendwann doch reagieren wird, ist zumindest möglich. Zum Beispiel durch eine höhere Besteuerung der Unternehmen, die nicht genug für den Schutz der Umwelt tun. Oder andersherum ausgedrückt: Die Unternehmen, die heute schon handeln, werden dann im Vorteil sein.

Jedes Jahr veröffentlicht die die Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) den Climate Performance Leadership Index (CPLI). Insgesamt nehmen an dieser Befragung, auf der der Index basiert, 1971 Unternehmen weltweit teil. 187 von ihnen wurden in den Index aufgenommen. Darunter viele börsennotierte Unternehmen. Das kann auch für Anleger interessant sein.

Etliche Dax-Unternehmen im Index

Dass es sich lohnt, auf diese Unternehmen zu setzen, haben die Experten des CDP schon bei den Firmen aus dem S&P 500 festgestellt: Bei den Besten in Sachen Umweltschutz aus dem Index liegt der Return on Equity (ROE) im Schnitt um 67 Prozent über dem der Unternehmen, die an der Umfrage nicht teilgenommen haben – und 18 Prozent über dem ROE der Firmen, die schlecht abschneiden. Die Volatilität der Erträge ist 50 Prozent niedriger und das Dividendenwachstum stärker. Es lohnt sich also, darauf zu achten. Aus Deutschland gab es im Ranking in diesem Jahr einige Neuzugänge: Unter anderem die  Commerzbank und MAN. BMW zählt bereits zum fünften Mal dazu, Bayer zum vierten Mal. Dazu kommen Daimler, Volkswagen oder auch RWE.

BMW BMW

Diese Unternehmen gehören demnach zu den besten ihrer Branche, was den Umweltschutz angeht. Es gilt als Auszeichnung, wenn ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung in die A-Liste des Carbon Disclosure Projects aufgenommen wird. Immerhin fordert die Investoreninitiative CDP die Veröffentlichung von Emissionsdaten und Klimastrategien, einen nachgewiesenermaßen verantwortlichen Umgang mit Wasser, den Schutz von Primärwäldern und das Management von Umweltrisiken in der Zuliefererkette.

Bayer Bayer

Investoren wiederum nutzen den CPLI, um ihr Kapital in jene Unternehmen fließen zu lassen, die einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Aber auch Konsumenten können sich bei ihren Kaufentscheidungen am CPLI orientieren, was letztlich den Unternehmen nutzt, die dort enthalten sind. Weltweit haben sich 767 Großinvestoren, die zusammengerechnet auf ein Vermögen von rund 92 Billionen Dollar kommen, dem CDP angeschlossen. Zu den jüngsten Projekten der Organisation gehört die Mittelstandsinitiative „Carbon Action“, in der sich rund 200 Investoren mit 18 Milliarden Dollar zusammengeschlossen haben. Deren Ziel: Sie wollen den Mittelstand auf seine Umweltfreundlichkeit hin zu untersuchen.

Ernsthafter Umweltschutz kann Rendite erhöhen

Dabei haben die CPLI-Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten 23 Milliarden Dollar in ihre ökologischen Strategieprojekte investiert. Schwerpunkt: Die Erhöhung der Energieeffizienz. Im Durchschnitt wollen die CPLIs jährliche Emissionsrückgänge von neun Prozent erzielen, mit einer Internal Rate of Return (IRR) für jedes Projekt von 57 Prozent. Dabei hat Umweltschutz aber auch ganz konkrete Auswirkungen auf das Geschäft: Samsung zum Beispiel schätzt, dass die Nachfrage der Konsumenten nach grünen Produkten die Verkaufsgewinne um neun Prozent innerhalb der nächsten sieben Jahre steigern wird.

Samsung Electronics Co. (OTC) Samsung Electronics Co. (OTC)

Und so zählen zu den meistgenannten positiven Aspekten eines authentischen Umweltschutzes einer Firma die Beeinflussung des Konsumentenverhaltens (zwölf Prozent) und eine bessere Reputation (zehn Prozent). Als Risiko wird die Reputation (acht Prozent) angeführt, falls Umweltschutzmaßnahmen vom Konsumenten als nicht authentisch wahrgenommen werden. Dass Umweltschutz und Kosteneinsparungen zusammen gehören, beweist wiederum das Beispiel von Coca Cola: Das Unternehmen hat durch die Veränderung seines Produkt-Designs 20 Millionen Dollar eingespart und seine Treibhausgasemissionen um 30.000 Tonnen reduziert. Da das CDP zudem eine Liste mit Unternehmen veröffentlicht, die nicht an ihrer Umfrage teilnehmen, stehen diese Gesellschaften vermehrt unter dem (freiwilligen) Zwang, ebenfalls in Sachen Umweltschutz aktiv zu werden. Aus Deutschland wird die PNE WIND AG aufgeführt, aber auch der Online-Händler Amazon aus den USA oder Hermes International aus Frankreich stehen auf dieser Liste.

Von Gerd Hübner

Wolfgang Hawly

AKTIENMARKT                                                             Diese zwei Faktoren stürzen die Finanzwelt ins Chaos

Nach über fünf Jahren Kursanstieg rechnen immer mehr Marktbeobachter mit einem richtigen Einbruch am Aktienmarkt, einer Baisse. Allerdings, so stellen Experten des kanadischen Wealth Managers Gluskin Sheff fest, Bärenmärkte nicht einfach so. Sondern es braucht Auslöser. Davon gab es in der Vergangenheit im Wesentlichen zwei.

Für David Rosenberg von Gluskin Sheff ist die Sache ziemlich klar. Er hat sich den langfristigen Chart des amerikanischen Aktienindex S&P 500 einmal näher angesehen. Und er hat seit 1969 genau zehn massive Kurseinbrüche festgestellt. Diese Bärenmärkte gingen stets mit zwei Faktoren einher: Einer Rezession oder einer Straffung der Geldpolitik. Die vergangenen beiden Kurseinbrüche, die Finanzkrise 2008 und das Platzen der New-Economy-Blase nach der Jahrtausendwende, wurden dabei jeweils von Rezessionen begleitet. Insgesamt fielen in den Zeitraum seit 1969 sechs Bärenmärkte, die von Rezessionen begleitet wurden. Nur viermal war es dagegen die Straffung der Zinsen durch die Notenbanken, die solche heftigen Kurseinbrüche hervorriefen.

S&P 500 S&P 500

Die Frage, die sich Anleger also jetzt stellen sollten: Wie sieht es in nächster Zeit mit diesen beiden Faktoren aus? Wird es schon bald zu einer Rezession, steigenden Zinsen oder vielleicht sogar beidem zusammen kommen? Ohne Zweifel erscheinen die Aussichten für die Konjunktur, nachdem zu Jahresbeginn noch Optimismus herrschte, inzwischen eingetrübt. Die jüngsten Daten senden recht gemischte Signale. Einerseits habe sich zuletzt der robuste Stellenaufbau in den USA fortgesetzt, wie Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ-Bank feststellt. Außerhalb der Landwirtschaft habe sich die Zahl der Beschäftigten um 214.000 Personen erhöht. Damit sei die Arbeitslosenquote in den USA mit nur 5,8 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Juli 2008 gefallen.

Schwache Wirtschaftsdaten, aber keine Rezession

Dafür enttäuschten zuletzt einige Emerging Markets. Brasilien wächst derzeit kaum noch, in China fiel das prozentuale Wachstum zuletzt immer weiter. Größtes Sorgenkind aber ist nach wie vor die Eurozone. Vor allem der bisherige Wachstumsmotor Deutschland stottert derzeit. Zwar erreichten die monatlichen Exporte nach Angaben des Statistischen Bundesamts im September mit einem Wert von 102,5 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Auch die Importe legten kräftig zu, wie Bielmeier feststellt. Der Handelsbilanzüberschuss schloss bei 21,9 Milliarden Euro, auch das sei ein sehr hoher Wert. Damit dürfte der deutsche Außenhandel im dritten Quartal einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet haben. Die Produktion im Industriebereich legte im September zwar um 1,7 Prozent zu. Nach dem starken Minus im August (-3,4 Prozent) sei dies, so der Ökonom, aber eine leichte Enttäuschung.

DAX DAX

Dennoch gibt sich Experte Rosenberg zumindest für die USA optimistisch. Laut dem Leading Economic Index des Conference Board sei eine Rezession mindestens zwei Jahre weg. Bleibt auf der anderen Seite die Frage, wie es mit steigenden Zinsen aussieht. Im Zinszyklus sind die USA hier am weitesten. Das heißt, wenn eine Notenbank zuerst damit beginnt, an der Zinsschraube zu drehen, dann ist es die Federal Reserve Bank. Dabei gingen die meisten Experten bis vor kurzem noch davon aus, dass dies im Laufe des kommenden Jahres der Fall sein wird. Aktuell aber sieht es eher nach 2016 aus.

Steigende Zinsen frühestens 2016

Die Experten von Barings zum Beispiel sehen ein Umfeld, in dem sich das globale Wachstum leicht verlangsamt. Zudem lassen sich verschiedene Faktoren erkennen, die die Inflation in den USA auf einem niedrigen Niveau halten, darunter der stärkere US-Dollar und der niedrigere Ölpreis. Deren Ansicht nach hat die US-Notenbank Federal Reserve deshalb keinen Grund zu einer vorschnellen Anhebung der Zinsen. Sie gehen davon aus, dass die Zinsen noch „länger niedrig“ bleiben werden. Auch wenn die Kursschwankungen an den Aktienmärkten also immer wieder ansteigen und es zu zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen kommt, so scheint das Umfeld nach wie vor nicht für eine ausgeprägte Baisse am Aktienmarkt zu sprechen.

Von Gerd Hübner

Wolfgang Hawly

Airline auf Crash-Kurs Neue Zahlen: Air Berlin steuert auf Rekordverlust zu

Air Berlin macht vor dem Antritt des neuen Konzernchefs reinen Tisch und nimmt dafür einen Rekordverlust in Kauf. Der Noch-Chef deutet 300 Millionen Euro Verlust an.
Für ihre Sanierung nimmt die angeschlagene Fluglinie weitere knapp 100 Millionen Euro in die Hand und verbucht diese als Einmalkosten und Rückstellungen noch im vierten Quartal 2014, wie Finanzchef Ulf Hüttmeyer am Donnerstag erläuterte. Dadurch könnte der Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) in diesem Jahr auf eine Größenordnung von 300 Millionen Euro steigen – so hoch wie noch nie in der Firmengeschichte. „Wir sind überzeugt, dass die eingeleiteten Maßnahmen der richtige Weg sind, um Air Berlin nachhaltig in die Gewinnzone zu führen“, sagte Noch-Firmenchef Wolfgang Prock-Schauer, der seinen Posten im Februar nach knapp zwei Jahren an Ex-Thomas-Cook -Chef Stefan Pichler abgibt.Die wegen einer übereilten Expansion in die Krise geratene Fluglinie steckt seit Jahren in der Sanierung und wird auch von ihrem Großaktionär, der arabischen Etihad Airways, mit Finanzspritzen und Sachleistungen über Wasser gehalten. Die Genehmigung einer Etihad-Anleihe über 300 Millionen Euro durch die EU und das Bundesfinanzministerium steht aber noch aus. Über ein eigenes Finanzpolster verfügt Air Berlin schon länger nicht mehr – auch in diesem Jahr werde das Eigenkapital negativ sein, sagte Finanzchef Hüttmeyer.

Durch das 2012 gestartete Sparprogramm Turbine, dem mehr als 800 Stellen zum Opfer fielen, werden nach Hüttmeyers Angaben 175 Millionen Euro pro Jahr eingespart. Wegen des enormen Preisdrucks in der Branche kündigte Air Berlin im Sommer ein neues Sparprogramm an – weitere 200 Stellen werden gestrichen, das Streckennetz ausgedünnt, die Flotte um etwa zehn Flugzeuge reduziert. Die Maßnahmen sollen durch Einsparungen und Umsatzsteigerungen das Ebit im nächsten Jahr um etwa 200 Millionen Euro verbessern, 2016 dann um weitere 200 Millionen Euro. Weitere Kosten für den Konzernumbau sollen dann nicht mehr anfallen.

Hoffnungen setzt Deutschlands zweitgrößte Fluglinie nach der Lufthansa auf Partnerschaften mit Alitalia für Italien-Flüge, American Airlines für Transatlantik-Strecken und Etihad für Asien-Routen über Abu Dhabi. Zuletzt hatte das Luftfahrtbundesamt jedoch die Hälfte der sogenannten Codesharing-Flüge mit Etihad für ungültig erklärt und nur für den Winterflugplan einen Aufschub gewährt. Er rechne damit, dass die Partnerflüge auch im Sommerflugplan genehmigt werden, gab sich Prock-Schauer zuversichtlich.

Dazu will Air Berlin hauptsächlich mit Airbus -Maschinen fliegen. Die Flugzeuge des Konkurrenten Boeing würden verkauft, dafür weitere A320-Maschinen gebraucht angeschafft. Bis Ende 2016 soll die Flotte so harmonisiert werden, um Kosten zu sparen. „Die duale Flotte ergab für uns keinen Sinn mehr“, sagte Hüttmeyer. Allein die Abbestellung von 33 Boeing-Maschinen mit einem Listenpreis von fünf Milliarden Dollar reduziere die Investitionen. Außerdem soll eine neue Angebotsstruktur für die Kunden, die zu einem Basisangebot weitere Dienstleistungen hinzu buchen können, mehr Umsatz bringen. Details dazu will Air Berlin erst zur Internationalen Tourismusbörse im März 2015 nennen.

Im vierten Quartal 2014 sieht Air Berlin trotz des Batzens an Sonderkosten positive Tendenzen: „Das Jahresschlussquartal 2014 hat zufriedenstellend begonnen“, sagte Prock-Schauer. Auf Basis der bisherigen Buchungen werde der Umsatz leicht zulegen und sich das Ebit vor Einmalaufwendungen um einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag verbessern. Im dritten Quartal schrumpfte der Umsatz um 2,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, das Ebit brach um 35 Prozent auf rund 75 Millionen Euro ein.

 

 

Wolfgang Hawly

Rosetta-Sonde „Philae“ schickt erstes Bild von Komet Tschuri

Sensation: „Rosettas“ Mini-Labor „Philae“ ist auf dem Kometen „Tschuri“ gelandet. Die Landung galt als heikel. Offenbar war „Philae“ zunächst von der Kometen-Oberfläche abgeprallt. Nun bestätigte die Esa  aber den sicheren Stand des Labors. Jetzt geht es für „Philae“ an die Arbeit.

+++ Mini-Labor ist auf dem auf Kometen gelandet +++

+++ Philae steht sicher und sendet erstes Bild von Kometenoberfläche +++

+++ Chef des Esa-Flugbetriebs bezeichnet das Programm als Meilenstein +++

13.15 Uhr:„Philae“ mache einen großartigen Job, sagt Paolo Ferri von der Esa. „Wir haben ein sehr glückliches Landefahrzeug.“                 13.08 Uhr:Am Nachmittag sind weitere Bilder vom Kometen „Tschuri“ angekündigt.

13.00 Uhr:„Rosettas“ Mini-Labor „Philae“ soll „Tschuri“ mit mehr als 20 Instrumenten an Bord genau analysieren. Etliche Messungen sind geplant, um möglichst viel über ihn und die Entstehung des Sonnensystems zu erfahren. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen wie Aminosäuren.

Der knapp einen Kubikmeter große „Rosetta“-Lander namens „Philae“ wiegt rund 98 Kilogramm, von denen 27 auf zehn wissenschaftliche Instrumente entfallen. Die Forscher hoffen, dass er Wochen oder gar Monate Daten liefert. Eine besondere Herausforderung war das komplexe Landesystem mit Dämpfungsmechanismus, Eisschrauben und zwei Ankerharpunen. Sechs der Geräte an Bord entstanden unter deutscher Projektleitung:

  • „Cosac“, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) Göttingen: Das Gerät dient der Analyse von Gas aus erhitzten Bodenproben, vor allem zur Erkennung organischer Komponenten.
  • „APX“, Universität Mainz, Max-Planck-Institut für Chemie (MPCh) Mainz: Das Alpha-Röntgenspektrometer misst die Zusammensetzung der Elemente im Oberflächenmaterial – fast baugleiche Geräte gibt es auf den Nasa-Marsrovern.
  • „Rolis“, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Berlin:Die Panoramakamera soll Bilder vom Kometen machen, unter anderem von der Oberfläche unter dem Lander.
  • „Mupus“, Universität Münster, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Berlin:Dies ist ein System aus Sensoren etwa für die Temperatur und einem Penetrator, der in den Kometenboden gehämmert wird und Aussagen über dessen Härte ermöglicht.
  • „Sesame“, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Köln:Das Instrument misst die elektrischen und mechanischen Eigenschaften der Kometenoberfläche über die drei Fußpaare des Landers.
  • „Romap“, TU Braunschweig, Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik (MPE) Garching:Das Experiment vermisst das Magnetfeld sowie die Plasmaumgebung des Kometen.Im Video: Gestochen scharf! Erstes Bild von Philaes neuer Heimat

11.42 Uhr:In den ersten Stunden nach der Landung hätten bereits wichtige Daten gesammelt werden können, sagte der Chef des Esa-Flugbetriebs im Satelliten-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt, Paolo Ferri. Neben Fotos sei es etwa gelungen, das Tomographie-Projekt „Consert“ zu starten. Dabei durchleuchten „Philae“ und die Sonde „Rosetta“ den Kometen in Teamarbeit. Wissenschaftler wollen mit der Mission einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems werfen, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstand.

11.37 Uhr:Der Chef des Esa-Flugbetriebs im Satelliten-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt, Paolo Ferri, geht davon aus, dass „Philae“ trotz erster Schwierigkeiten auf dem Kometen bleiben wird. „Dass das Mini-Labor wieder abhebt, bezweifle ich sehr. Es ist zur Ruhe gekommen.“  

Beim Aufsetzen auf „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ gab es am Mittwoch Schwierigkeiten. Zwei Harpunen zum Verankern von „Philae“ auf „Tschuri“ wurden nicht ausgelöst, eine Düse zum Aufdrücken des Labors auf dem Kometen funktionierte nicht.

11.01 Uhr:„Philae“ twittert, es habe gestern einen anstrengenden Tag gehabt. Denn genau genommen sei es gestern dreimal gelandet, um 16.33 Uhr, 18.26 Uhr und 18.33 Uhr Mitteleuropäischer Zeit.

10.47 Uhr:Trotz wilder Hopser bei der Landung auf einem Kometen liefert das Mini-Labor „Philae“ wieder Daten. Kontrolleure konnten am Donnerstagmorgen erneut Kontakt zu „Philae“ aufnehmen. „Die Verbindung läuft gut“, sagte ein Sprecher im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt. In der Nacht hatte es wie erwartet eine Zwangspause wegen eines Funklochs gegeben. Das Labor scheine in einem „sehr soliden“ Zustand zu sein.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln wollte Daten prüfen, nach denen „Philae“ nicht nur zwei, sondern sogar noch ein drittes Mal auf dem Kometen aufgesetzt haben könnte. „Die Vermutung liegt nahe“, sagte DLR-Sprecher Andreas Schütz. „Sicher ist es aber erst, wenn die Daten ausgewertet sind.“ Dies könnte womöglich noch am Donnerstag klar sein.

09.59 Uhr:Mittlerweile bestätigte die Esa den sicheren Stand des Mini-Labors.

09.35 Uhr:Nach Standproblemen:Nun steht Mini-Labor „Philae“ stabil,wie die„BBC“berichtete.

08.10 Uhr: Einen Tag nach der spektakulären Landung mit einem Mini-Labor auf einem Kometen haben Kontrolleure am Donnerstagmorgen wieder Kontakt zu dem Landegerät „Philae“ bekommen.Das teilte die Europäische Weltraumorganisation Esa mit. In der Nacht hatte es eine Zwangspause ergeben, da sich der Komet „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ sowie die Raumsonde „Rosetta“ in seiner Nähe bewegen. Das auf „Tschuri“ sitzende Labor „Philae“ kann somit nicht immer Kontakt zur Sonde haben, von der aus Signale zur Erde geschickt werden.

 

Donnerstag, 13. November, 6.53 Uhr:Nachdem seit gestern der Funkkontakt zu „Philae“ immer wieder abgerissen ist, wird im Laufe des Vormittags erwartet, dass es eine neue Einschätzung der Situation des Mini-Labors gibt. Gegen 14 Uhr ist eine Pressekonferenz der Esa geplant, bis dahin sollen die Daten ausgewertet werden. „Wir wissen nicht, ob Philae jetzt fest am Boden des Kometen klebt.“ Das Gerät habe möglicherweise sogar gleich doppelt auf dem Planeten aufgesetzt. „Eine Hypothese ist, dass Philae nach der Landung wieder abgestoßen wurde und nach etwa zwei Stunden ein zweites Mal gelandet ist“, sagte ein Esa-Forscher zu dem denkbaren Hüpfer.

20.52 Uhr: Die beiden Harpunen des „Philae“-Forschungsroboters bohrten sich offenbar nicht wie geplant in die Kometenoberfläche, teilt der Lande-Manager Stephan Ulamec in Darmstadt mit. Dies bedeute, dass der Lander im Kometenboden „nicht verankert“ sei.

20.36 Uhr: Am Donnerstag soll es um 14 Uhr die nächste Pressekonferenz geben. Bis dahin werten die Wissenschaftler die bisher empfangenen Daten aus.

20.30 Uhr: Ulamec gibt auf der Pressekonferenz weitere Informationen zum Landungsvorgang.So würden die Daten darauf hin deuten, dass „Philae“ zunächst von der Kometenoberfläche abgeprallt und ein zweites Mal aufgesetzt sei. „Nach dieser Interpretation gab es heute nicht nur eine, sondern zwei Landungen auf einem Kometen.“ Wie es genau um „Philae“ steht sei unklar, der Kontakt sei bis morgen abgebrochen.

19.56 Uhr:Die Identifikation mit der Mission geht bei einigen der Wissenschaftler sehr weit. Matt Taylor hat sich sogar ein Bild der Rosetta-Mission auf den Oberschenkeltätowieren lassen.

dpaMatt Taylor hat sich die Rosetta-Mission auf den Oberschenkel tätowieren lassen

19.40 Uhr:Neues zu den Problemen bei der Landung:Die Verankerung der Sonde auf der Kometenoberfläche werde überprüft, teilt der technische Projektleiter des Landerteams, Koen Geurts mit. Demnach herrschte zunächst Unklarheit über die Standsicherheit der Sonde.

Im Video: Rosetta am Ziel: Forschungssonde landet erfolgreich auf Kometen

FOCUS Online/WochitRosetta am Ziel: Forschungssonde landet erfolgreich auf Kometen

Es gebe „einige Anzeichen“, dass die Verankerung des Forschungsroboters „Philae“ nicht gewährleistet sei, sagte der Lande-Manager Stephan Ulamec. Das könne bedeuten, dass der Roboter „in weichem Material steckt“.

dpa19.21 Uhr:Die Internetseite des „Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt“ ist zurzeit nicht zur erreichen. War der Besucher-Ansturm zu groß?

18.52 Uhr:Der Landeplatz namens „Agilkia“ wurde sechs Wochen nach dem Einschwenken der Sonde in die Umlaufbahn des Kometen anhand von Bildern und Daten ausgewählt.

18.35 Uhr: Leicht skurrile Twitter-Kommunikation über ein ernstes Problem. Die Landungsharpunen wurden nicht wie geplant abgefeuert: Das Mini-Labor „Philae Lander“ schreibt dazu:

Die Landung ist unter anderem so heikel, weil der Komet kaum Schwerkraft ausübt. Außerdem ist die Bodenbeschaffenheit unklar. Die Oberfläche von „Tschuri“ – so der Spitzname des Kometen – scheint sehr weich zu sein. Das Labor könnte versinken oder umkippen.

18.20 Uhr:Der deutsche Astronaut Alexander Gerst beglückwünscht die erfolgreiche Landung: „Philae“, du hast es geschafft! Die erste Landung auf einem Kometen. Gratulationen an alle Teams für diese epische Landung.“

REUTERS„Philae Lander“ auf dem Weg zum Kometen

18.02 Uhr:„Wir sind die ersten, die so etwas geschafft haben und das wird auch immer so bleiben!“, sagt Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

AFP

17.59 Uhr:„Es war eine äußerst lange und beschwerlicheReisefür ein absolut einmaliges Ereignis, aber es hat sich allemal gelohnt“, erklärte der Esa-Missionsleiter für „Rosetta“, Fred Jansen. Wir freuen uns jetzt auf die kommenden Erfolge dieses großartigen wissenschaftlichen Unterfangens, denn die Mission ‚Rosetta‘ wird unser Wissen über Kometen revolutionieren.“

17.54 Uhr: Offenbar hat „Philae“ doch nicht seine Landungsharpunen abgeschossen. Nun suche das Team nach neuen Abschuss-Optionen, so Esa-Operations auf Twitter. Dennoch sind die Wissenschaftler erleichtert: Das Mini-Labor ist wohl relativ sanft auf dem Kometen gelandet.

Wolfgang Hawly

Banken und Wirtschaft in Gefahr Strafzins aufs Konto:

Warum Banken vor der Rache der Sparer zittern müssen

 

Immer mehr Banken werden dem Beispiel der Skatbank folgen und Strafzinsen von Sparern verlangen. Noch nehmen das die Sparer hin. Doch wehe, wenn sie zurückschlagen.

Jetzt ist es soweit: In Deutschland verlangt mit der Skatbank, der Internet-Tochter einer Volksbank in Thüringen, die erste Bank Strafzinsen für hohe Guthaben. Jetzt ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass Deutschlands Sparer endgültig die Zeche für die vollkommen aus dem Ruder gelaufene Rettungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bezahlen.

Heute wird noch der ein oder andere Bürger sagen: “Diese Maßnahme betrifft mich nicht, weil mein Kontostand nicht ansatzweise diesen Betrag anzeigt.“ Dies kann sich jedoch ganz schnell ändern. Zwar sprechen sich Sparkassen und Volksbanken weiter gegen Strafzinsen aus. Asoka Wöhrmann, seines Zeichens Chefanlagestratege der Deutschen Asset & Wealth Management und somit oberster Vermögensverwalter der Deutschen Bank,sieht das bereits grundlegend anders.

Nach seiner Einschätzung werden Strafzinsen auf Konten und Sparbüchern bald zur Normalität: „Negativzinsen werden bald keine Seltenheit mehr sein“,sagt er in einem Interview. „Statt sich arm zu sparen, müssen wir Deutschen wieder mehr konsumieren und gleichzeitig vernünftig investieren.“ Wir sollten uns alle vor Augen führen, was diese Aussage bedeutet.

Was ist eigentlich Geld?

Es ist unabdinglich, zuerst einmal zu verinnerlichen was Geld überhaupt ist. Geld ist der Gegenwert für die menschliche Arbeit. Geld ist also ein Anspruch auf Waren oder Dienstleistungen. Die Bürger können ihr Geld durch Konsum verbrauchen oder aber auf eigenen Konsum verzichten und sparen. Dieser gegenwärtige Konsumverzicht wird mit Zinsen belohnt.

Die Banken wiederum nutzen das Geld der Sparer, um es gegen einen höheren Zins an Unternehmen zu verleihen. Diese verwenden den Kredit für Investitionen oder für die Produktion von Waren und Dienstleistungen. Mit dem erwirtschafteten Betrag zahlen die Firmen den Kredit zurück. Sparer machen also durch ihren Konsumverzicht Investitionen und somit Wirtschaftswachstum möglich.

Eine verheerende Altersarmut droht

Heute ist der Sachverhalt grundlegend anders. Die Notenbanken drucken Geld, um faktisch bankrotte Staaten und marode Banken künstlich am Leben zu erhalten. Die Zinsen liegen praktisch bei null Prozent. Die Banken werden mit dem billigen Geld der Notenbanken überflutet, und das Geld der Sparer ist nichts mehr wert. Das spiegelt sich in den niedrigen Zinsen wider. Der Sparer wird durch die Notenbanken seiner Möglichkeit beraubt, aktiv für das Alter vorzusorgen. Eine verheerende Altersarmut ist vorprogrammiert.

Nicht nur deswegen spielen EZB, Finanzbranche und Politik ein gefährliches Spiel. Den Protagonisten sollte bewusst sein, was geschieht, wenn der Sparer anfängt zu rechnen. Denn dann wird er eiskalt zurückschlagen und sein hart erarbeitetes Geld abheben, anstatt es auf seinem Konto zu lassen.

Fakt ist, dass nur ein Bruchteil der Buchgeldmenge tatsächlich physisch als Bargeld existiert. Die Auszahlung allen Buchgeldes (aller Kontostände) ist unmöglich.

Der Kontoauszug ist nur eine Illusion

Kontostände sind nichts anderes als Zahlungsversprechen, von denen bereits im Voraus feststeht, dass sie nicht eingehalten werden können. Vom praktischen Standpunkt her gesehen könnte man es durchaus als ungedeckten (bzw. kaum gedeckten) Scheck sehen.

Abgesehen davon gehört das Geld auf dem Konto nicht dem Sparer sondern der BankDies sollte seit dem sogenannten Bail-Inauf Zypern, als die Gläubiger (Aktionäre, Anleihebesitzer und Sparer) die Banken retteten, bekannt sein. Heute ist das Zypernmodel europäisches Gesetz. Der Sparer hat lediglich eine Forderung an ein Unternehmen, welches bis unters Dach verschuldet ist. Ein Blick auf den Eigenkapitalanteil Ihrer Bank wird Ihnen das bestätigen.

Wehe, die Sparer fangen an zu rechnen

Bisher haben die meisten Sparer diesen Aspekt noch nicht bedacht. Doch spätestens wenn sie anfangen draufzuzahlen, wird ein Umdenken stattfinden, und die Banken stehen vor einem immensen Problem.

Da jedoch nur zwei Prozent aller Euros physisch existieren, wird die Politik das Räumen der Konten durch Beschränkungen zu unterbinden wissen. Das bedeutet nichts Weiteres, als dass Sie sich nicht mehr gegen die Enteignung der EZB wehren können und dafür bestraft werden, dass Sie etwas für das Alter zurücklegen möchten.

In Zeiten von oftmals manipulierten Märkten und teilweise gigantischen Blasen an Aktien- und Immobilienmärkten klingt die Aussage von Asoka Wöhrmann wie blanker Hohn. Es gibt zwar kein Grundrecht auf Zinsen, jedoch haben Sparer heute nur die Möglichkeit, das Geld auf dem Konto zu belassen oder ins Bankschließfach zu legen. In beiden Fällen gewinnt die Bank – beim Geld im Schließfach jedoch bedeutend weniger, und das Geld gehört Ihnen. In unruhigen Zeiten kann dies ein äußerst beruhigendes Gefühl sein.

Quelle: Focus, Marc Friedrich und Matthias Weik.

Wolfgang Hawly

Zum 1. Januar  Strompreise sinken für Millionen Haushalte

 

Rund acht Millionen Haushalte in Deutschland können sich auf fallende Strompreise im kommenden Jahr freuen. Wie das Vergleichsportal Check24.de am Dienstag in München mitteilte, kündigten bereits 33 Energieversorger an, zum 1. Januar den Strompreis in der Grundversorgung zu senken. Da die Frist zur Veröffentlichung der neuen Preise erst kommenden Montag ablaufe, könnten noch weitere Strompreissenkungen folgen. Laut Check24.de halten sich die Preissenkungen allerdings in Grenzen. So falle die Rechnung für einen Vierpersonenhaushalt bei einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden pro Jahr im Durchschnitt um 2,4 Prozent oder 35 Euro niedriger aus.

Verantwortlich für die Preissenkungen seien unter anderem die um rund 10 Prozent niedrigeren Beschaffungspreise an der Leipziger Strombörse, erklärte die Energieexpertin des Vergleichsportals, Isabel Wendorff. Zudem sinke im nächsten Jahr auch die Ökostromumlage. Einige Versorger könnten so offenbar die gestiegenen Netzentgelte ausgleichen oder sogar überkompensieren. Die Gaspreise sinken 2015 laut Check24.de nur bei wenigen Grundversorgern. Bislang verkündeten demnach sechs Gasversorger günstigere Preise für das nächste Jahr, wovon knapp 350.000 Haushalte profitieren.

Quelle: Check 24

Wolfgang Hawly

Smartphone statt Filiale                                               Die Bank von morgen ist heute schon von gestern

 

Loungebereich, Videoberater und Kuschelecke: Die Banken wollen mit modernen Vorzeigefilialen Finanzgeschäfte zum Erlebnis machen. Dabei kann das Smartphone künftig jede Bank ersetzen.

Berliner Vorzeigefiliale der Deutschen Bank.

Es wirkt wie ein letzter verzweifelter Versuch: Deutschlands Banken pimpen ihre Filialen auf. Vorbild sind einige Musterbanken in Großstädten wie Berlin und Stuttgart. In der „Bank der Zukunft“ gibt es Lounge-Ecken mit trendigen Möbeln, in denen Latte macchiato ausgeschenkt wird. Shops, in denen verschiedene Sorten Marmelade feilgeboten werden. Und Kinderecken mit Spielzeugburgen, in denen geschulte Pädagogen die Kleinen beaufsichtigen, damit ihre Eltern möglichst ungestört mit dem Bankberater über einen neuen Sparvertrag plaudern können.

Selbst die Tische, an denen sich Banker und Kunden niederlassen, haben als Tischplatte eine Art riesiges iPad, auf dem man nach Herzenslust Unterlagen aufrufen und bearbeiten kann. Auf Knopfdruck lässt sich zudem ein Videoberater aus der Zentrale dazuschalten, der sich beispielsweise mit speziellen Wertpapieren besonders auskennt.

Alles ist in der „Bank der Zukunft“ so ausgelegt, dass es möglichst wenig nach Bank aussieht, wie es eine Kundin in einem Werbefilm der Deutschen Bank eigentlich recht treffend formuliert. Die Banken antworten auf die schwerste Identitätskrise in ihrer Geschichte, indem sie Filialen erfinden, in denen sich der Kunde überall wähnt, nur nicht in einer Bank: im Lifestyle-Café beispielsweise, wo er sich gern aufhält, in einem netten Laden mit hippen Dekor-Artikeln – oder gar im neuen Apple Store. In den Filialen der Zukunft feiern die Banken den Abschied von der eigenen Verstaubtheit.

Aber haben die Banken damit eine Chance? Oder ist die Bank von morgen heute womöglich längst von gestern? Wer in einer Großstadt wie Frankfurt in eine geschniegelte Bankfiliale kommt, in der vorne im Eingangsbereich vor den Geldautomaten ein paar Leute warten, ansonsten aber gähnende Leere herrscht, den beschleicht ein Verdacht: Die ganze Modernisierung, von den Banken mit so viel Aufwand betrieben, ist womöglich vergebens. Die Bankfiliale der Zukunft ist 12,4 Zentimeter hoch, 5,8 Zentimeter breit und wiegt gerade mal 112 Gramm. Die Bankfiliale der Zukunft steckt in einem Smartphone.

Auf jeden Fall musste man diesen Eindruck gewinnen, als Apple in Amerika kürzlich sein neues Bezahlsystem Apple Pay einführte, das irgendwann auch nach Deutschland kommen soll. Innerhalb von nur drei Tagen meldeten sich mehr als eine Million Kunden dafür an. Das neue System soll es einfach machen, im Supermarkt mit dem Smartphone zu bezahlen.

Damit könnte vielen Leuten der Hauptgrund, der sie im Augenblick noch in Bankfilialen treibt, genommen werden: Sie müssten nicht mehr zum Geldautomaten. Zwar gibt es in Amerika noch eine Menge Anfangsschwierigkeiten – und wann und wie erfolgreich das Modell auch in Deutschland eingeführt wird, ist noch unklar. Sicher aber ist: Das Bankgeschäft erlebt noch einmal eine Revolution. Der technische Fortschritt sorgt für die Emanzipation des Bankkunden von der Bankfiliale: Und es ist noch keineswegs ausgemacht, ob die großen Spieler der alten Bankenwelt auch die wichtigsten Spieler der neuen sein werden. Im Gegenteil: Schon jetzt ist zu erkennen, dass es eine Vielzahl kleiner Start-ups gibt, im Branchenjargon Fintechs genannt, die klassische Bankfunktionen vom Zahlungsverkehr bis zum Aktienhandel für Smartphone, Tabletcomputer oder PC anbieten.

Flagship-Filialen funktionieren nicht

Zudem rüsten sich die Internetgiganten Apple, Google und Amazon, ihre gewaltigen Kundenstämme, ihre technische Leistungsfähigkeit und ihre Erfolge im Sammeln von Daten auszunutzen, um ihrerseits den Banken Konkurrenz zu machen. Zuletzt sorgte eine geplante Kooperation zwischen der chinesischen Internetplattform Alibaba und Apple für Schlagzeilen – die Revolution des Zahlungsverkehrs lockt die Großen offenbar sehr. „Die Banken sind gut beraten, das im Auge zu behalten“, heißt es in einer Studie der Deutschen Bank.

von MARIE BAUMANN UND CHRISTIAN SIEDENBIEDEL

Wolfgang Hawly

Der gläserne Steuerbürger wird Realität 

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Inhaber der Fondsgesellschaft LOYS AG.

Ein Bankgeheimnis gibt es nicht mehr. Die 50 wirtschaftlich führenden Länder der Welt haben beschlossen, einen umfassenden Finanzdatenaustausch vorzunehmen. Den Behörden ist nunmehr national und international der Blick in die Konten und Steuerdaten aller Bürger eröffnet. Der gläserne Steuerbürger wird Realität.

Sofern diese umfassende Staatsaufsicht zu Steuergerechtigkeit führt, mag man sie begrüßen. Alle Erfahrung deutet aber darauf hin, dass die eigentliche Absicht der geschlossenen Vereinbarungen darin liegt, die Steuereinnahmen zu erhöhen. Jedenfalls ist es kein Zufall, dass der Ausdruck „aufkommensneutral“ in der Diskussion gar nicht auftaucht, obwohl ja zusätzliche Einnahmen von Steuersündern zur Entlastung der Steuerehrlichen verwendet werden könnten.

In Deutschland haben die getroffenen Abkommen zum Datenaustausch die erwartbaren Rituale in den politischen Lagern geweckt. Kaum war die Tinte unter den Datenaustauschverträgen trocken, da wurde bereits die Abschaffung der Abgeltungssteuer und die künftige Besteuerung von Kapitalerträgen nach den persönlichen Einkommensteuersatz gefordert, in der Hoffnung, die seit Jahren sprudelnden Steuerquellen noch üppigere Fontänen werfen zu sehen.

Für Zinsanleger ist diese Entwicklung unerfreulich, denn die Abgeltungssteuer dürfte regelmäßig unterhalb des jeweiligen persönlichen Steuersatzes liegen. Insofern ist das staatliche Scharren mit den Steuerhufen sehr verständlich. Die Obrigkeit weiß allzu genau, dass die Deutschen ihr Erspartes ganz überwiegend zinsgebunden anlegen, wenngleich viele dieser Anlagen steuerprivilegiert sind, wie zum Beispiel bei der klassischen Kapitallebensversicherung. Gedämpft werden die Hoffnungen des Staates jedoch durch die Dauernullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, so dass die Einnahmen aus der Besteuerung von Zinsanlagen zum Ingrimm des Finanzministers für längere Zeit mager ausfallen dürften.

Gänzlich anders liegt der Fall bei der Besteuerung von Kapitalerträgen aus Aktienanlagen. Im Gegensatz zu Zinsanlagen werden Dividendenausschüttungen steuerlich in Deutschland stark diskriminiert, indem Unternehmensgewinne zuerst im Unternehmen und im Falle der Ausschüttung zusätzlich beim Anleger zu versteuern sind. Diese Doppelbesteuerung ist unsystematisch, produziert unverhältnismäßig hohe Steuersätze und ist daher zutiefst ungerecht.

Mehr noch: Sie trägt im Ergebnis dazu bei, dass die Deutschen Aktienanlagen meiden und somit kaum an ihrer Wirtschaft beteiligt sind. Inzwischen ist in den letzten Jahren durch diese zum Teil staatlich gelenkte Fehlentwicklung ein Vermögensschaden von mehreren hundert Milliarden Euro entstanden. Mit Altersarmut wird unsere Gesellschaft langfristig diesen Schaden bezahlen müssen.

von Christoph Bruns

Wolfgang Hawly

Alte Währung nicht vergessen. Jeder zehnte Deutsche hat über 100 D-Mark zuhause.

Im Schnitt 65 D-Mark hat jeder Deutsche noch zu Hause – jeder zehnte hortet gar 100 D-Mark. Vor allem aus sentimentalen Gründen wollen sich viele nicht von den Scheinen und Münzen der Altwährung trennen.

Deutschland bleibt der D-Mark treu. Wenn auch nur indirekt. Obwohl vor 13 Jahren der Euro als offizielle Währung eingeführt wurde, ist die Deutsche Mark noch nicht aus den Köpfen beziehungsweise Haushalten der Deutschen verschwunden.

Laut einer Umfrage der Postbank besitzt jeder zweite Deutsche noch Münzen oder Scheine der alten Währung – im Schnitt 65 Mark. Vergesslichkeit spielt dabei kaum eine Rolle: Lediglich ein Fünftel gab an, die alten Scheine und Münzen entweder zuhause vergessen oder gerade erst gefunden zu haben. Die deutliche Mehrheit der Befragten, fast 75 Prozent, die einstige deutsche Währung  als Erinnerungsstücke in Ehren.

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Quelle: Postbank

Elf Milliarden D-Mark verschwunden

Insgesamt schlummern nach nach Schätzung der Bundesbank noch knapp zwei Milliarden D-Mark in deutschen Haushalten. Die tatsächliche Summe ist jedoch wesentlich größer. Theoretisch müssten noch 13 Milliarden D-Mark im Umlauf sein.

Eine mögliche Erklärung für die gewaltige Lücke von elf Milliarden Mark iefert Postbank-Experte Nentwig: „Erhebliche D-Mark-Beträge sind verloren gegangen sind oder wurden vernichtet.“ Zudem befänden sich zahlreiche Münzen und Banknoten noch im Ausland – beispielsweise in der Türkei, wo bis zur Euro-Einführung noch mit D-Mark gezahlt werden konnte. Bis zu 14 Prozent der Fünf-DM- und mehr als die Hälfte der Ein-Pfennig-Münzen bleiben dauerhaft verschollen.

Spenden statt Wechseln

Nach wie vor können Geldscheine und Münzen der Altwährung in Bundesbankfilialen in Euro gewechselt werden. Jedoch bevorzugten 13 Prozent der Befragten, ihre Restbestände Spendenorganisationen zukommen zu lassen. Mit der D-Mark in Geschäften einzukaufen, in denen das noch möglich ist, würden lediglich vier Prozent.

Quelle: Focus Online