Wolfgang Hawly

AKTIENMARKT                                                             Diese zwei Faktoren stürzen die Finanzwelt ins Chaos

Nach über fünf Jahren Kursanstieg rechnen immer mehr Marktbeobachter mit einem richtigen Einbruch am Aktienmarkt, einer Baisse. Allerdings, so stellen Experten des kanadischen Wealth Managers Gluskin Sheff fest, Bärenmärkte nicht einfach so. Sondern es braucht Auslöser. Davon gab es in der Vergangenheit im Wesentlichen zwei.

Für David Rosenberg von Gluskin Sheff ist die Sache ziemlich klar. Er hat sich den langfristigen Chart des amerikanischen Aktienindex S&P 500 einmal näher angesehen. Und er hat seit 1969 genau zehn massive Kurseinbrüche festgestellt. Diese Bärenmärkte gingen stets mit zwei Faktoren einher: Einer Rezession oder einer Straffung der Geldpolitik. Die vergangenen beiden Kurseinbrüche, die Finanzkrise 2008 und das Platzen der New-Economy-Blase nach der Jahrtausendwende, wurden dabei jeweils von Rezessionen begleitet. Insgesamt fielen in den Zeitraum seit 1969 sechs Bärenmärkte, die von Rezessionen begleitet wurden. Nur viermal war es dagegen die Straffung der Zinsen durch die Notenbanken, die solche heftigen Kurseinbrüche hervorriefen.

S&P 500 S&P 500

Die Frage, die sich Anleger also jetzt stellen sollten: Wie sieht es in nächster Zeit mit diesen beiden Faktoren aus? Wird es schon bald zu einer Rezession, steigenden Zinsen oder vielleicht sogar beidem zusammen kommen? Ohne Zweifel erscheinen die Aussichten für die Konjunktur, nachdem zu Jahresbeginn noch Optimismus herrschte, inzwischen eingetrübt. Die jüngsten Daten senden recht gemischte Signale. Einerseits habe sich zuletzt der robuste Stellenaufbau in den USA fortgesetzt, wie Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ-Bank feststellt. Außerhalb der Landwirtschaft habe sich die Zahl der Beschäftigten um 214.000 Personen erhöht. Damit sei die Arbeitslosenquote in den USA mit nur 5,8 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Juli 2008 gefallen.

Schwache Wirtschaftsdaten, aber keine Rezession

Dafür enttäuschten zuletzt einige Emerging Markets. Brasilien wächst derzeit kaum noch, in China fiel das prozentuale Wachstum zuletzt immer weiter. Größtes Sorgenkind aber ist nach wie vor die Eurozone. Vor allem der bisherige Wachstumsmotor Deutschland stottert derzeit. Zwar erreichten die monatlichen Exporte nach Angaben des Statistischen Bundesamts im September mit einem Wert von 102,5 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Auch die Importe legten kräftig zu, wie Bielmeier feststellt. Der Handelsbilanzüberschuss schloss bei 21,9 Milliarden Euro, auch das sei ein sehr hoher Wert. Damit dürfte der deutsche Außenhandel im dritten Quartal einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet haben. Die Produktion im Industriebereich legte im September zwar um 1,7 Prozent zu. Nach dem starken Minus im August (-3,4 Prozent) sei dies, so der Ökonom, aber eine leichte Enttäuschung.

DAX DAX

Dennoch gibt sich Experte Rosenberg zumindest für die USA optimistisch. Laut dem Leading Economic Index des Conference Board sei eine Rezession mindestens zwei Jahre weg. Bleibt auf der anderen Seite die Frage, wie es mit steigenden Zinsen aussieht. Im Zinszyklus sind die USA hier am weitesten. Das heißt, wenn eine Notenbank zuerst damit beginnt, an der Zinsschraube zu drehen, dann ist es die Federal Reserve Bank. Dabei gingen die meisten Experten bis vor kurzem noch davon aus, dass dies im Laufe des kommenden Jahres der Fall sein wird. Aktuell aber sieht es eher nach 2016 aus.

Steigende Zinsen frühestens 2016

Die Experten von Barings zum Beispiel sehen ein Umfeld, in dem sich das globale Wachstum leicht verlangsamt. Zudem lassen sich verschiedene Faktoren erkennen, die die Inflation in den USA auf einem niedrigen Niveau halten, darunter der stärkere US-Dollar und der niedrigere Ölpreis. Deren Ansicht nach hat die US-Notenbank Federal Reserve deshalb keinen Grund zu einer vorschnellen Anhebung der Zinsen. Sie gehen davon aus, dass die Zinsen noch „länger niedrig“ bleiben werden. Auch wenn die Kursschwankungen an den Aktienmärkten also immer wieder ansteigen und es zu zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen kommt, so scheint das Umfeld nach wie vor nicht für eine ausgeprägte Baisse am Aktienmarkt zu sprechen.

Von Gerd Hübner

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