STUDIE Das sind die umweltfreundlichsten Unternehmen der Welt
Umweltschutz lässt Kasse klingeln: Investitionen in Konzerne mit geringen Co2-Emissionen bringen nach einer neuen Studie 67 Prozent mehr Gewinn. Gut also, wenn ein Konzern auf der Liste des Carbon Disclosure Projects steht – wie viele Dax-Konzerne.
Im September dieses Jahres trafen sich die Regierungschefs der Welt wieder einmal zum Klimagipfel der Vereinten Nationen. Die Worte, die dort fielen, waren mehr als deutlich: Die Politik muss handeln. Denn noch immer sind die CO2-Emissionen zu hoch. Um den Klimawandel aufzuhalten, müssen sie reduziert werden. Dringend. Dass die Politik irgendwann doch reagieren wird, ist zumindest möglich. Zum Beispiel durch eine höhere Besteuerung der Unternehmen, die nicht genug für den Schutz der Umwelt tun. Oder andersherum ausgedrückt: Die Unternehmen, die heute schon handeln, werden dann im Vorteil sein.
Jedes Jahr veröffentlicht die die Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) den Climate Performance Leadership Index (CPLI). Insgesamt nehmen an dieser Befragung, auf der der Index basiert, 1971 Unternehmen weltweit teil. 187 von ihnen wurden in den Index aufgenommen. Darunter viele börsennotierte Unternehmen. Das kann auch für Anleger interessant sein.
Etliche Dax-Unternehmen im Index
Dass es sich lohnt, auf diese Unternehmen zu setzen, haben die Experten des CDP schon bei den Firmen aus dem S&P 500 festgestellt: Bei den Besten in Sachen Umweltschutz aus dem Index liegt der Return on Equity (ROE) im Schnitt um 67 Prozent über dem der Unternehmen, die an der Umfrage nicht teilgenommen haben – und 18 Prozent über dem ROE der Firmen, die schlecht abschneiden. Die Volatilität der Erträge ist 50 Prozent niedriger und das Dividendenwachstum stärker. Es lohnt sich also, darauf zu achten. Aus Deutschland gab es im Ranking in diesem Jahr einige Neuzugänge: Unter anderem die Commerzbank und MAN. BMW zählt bereits zum fünften Mal dazu, Bayer zum vierten Mal. Dazu kommen Daimler, Volkswagen oder auch RWE.
Diese Unternehmen gehören demnach zu den besten ihrer Branche, was den Umweltschutz angeht. Es gilt als Auszeichnung, wenn ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung in die A-Liste des Carbon Disclosure Projects aufgenommen wird. Immerhin fordert die Investoreninitiative CDP die Veröffentlichung von Emissionsdaten und Klimastrategien, einen nachgewiesenermaßen verantwortlichen Umgang mit Wasser, den Schutz von Primärwäldern und das Management von Umweltrisiken in der Zuliefererkette.
Investoren wiederum nutzen den CPLI, um ihr Kapital in jene Unternehmen fließen zu lassen, die einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Aber auch Konsumenten können sich bei ihren Kaufentscheidungen am CPLI orientieren, was letztlich den Unternehmen nutzt, die dort enthalten sind. Weltweit haben sich 767 Großinvestoren, die zusammengerechnet auf ein Vermögen von rund 92 Billionen Dollar kommen, dem CDP angeschlossen. Zu den jüngsten Projekten der Organisation gehört die Mittelstandsinitiative „Carbon Action“, in der sich rund 200 Investoren mit 18 Milliarden Dollar zusammengeschlossen haben. Deren Ziel: Sie wollen den Mittelstand auf seine Umweltfreundlichkeit hin zu untersuchen.
Ernsthafter Umweltschutz kann Rendite erhöhen
Dabei haben die CPLI-Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten 23 Milliarden Dollar in ihre ökologischen Strategieprojekte investiert. Schwerpunkt: Die Erhöhung der Energieeffizienz. Im Durchschnitt wollen die CPLIs jährliche Emissionsrückgänge von neun Prozent erzielen, mit einer Internal Rate of Return (IRR) für jedes Projekt von 57 Prozent. Dabei hat Umweltschutz aber auch ganz konkrete Auswirkungen auf das Geschäft: Samsung zum Beispiel schätzt, dass die Nachfrage der Konsumenten nach grünen Produkten die Verkaufsgewinne um neun Prozent innerhalb der nächsten sieben Jahre steigern wird.
Und so zählen zu den meistgenannten positiven Aspekten eines authentischen Umweltschutzes einer Firma die Beeinflussung des Konsumentenverhaltens (zwölf Prozent) und eine bessere Reputation (zehn Prozent). Als Risiko wird die Reputation (acht Prozent) angeführt, falls Umweltschutzmaßnahmen vom Konsumenten als nicht authentisch wahrgenommen werden. Dass Umweltschutz und Kosteneinsparungen zusammen gehören, beweist wiederum das Beispiel von Coca Cola: Das Unternehmen hat durch die Veränderung seines Produkt-Designs 20 Millionen Dollar eingespart und seine Treibhausgasemissionen um 30.000 Tonnen reduziert. Da das CDP zudem eine Liste mit Unternehmen veröffentlicht, die nicht an ihrer Umfrage teilnehmen, stehen diese Gesellschaften vermehrt unter dem (freiwilligen) Zwang, ebenfalls in Sachen Umweltschutz aktiv zu werden. Aus Deutschland wird die PNE WIND AG aufgeführt, aber auch der Online-Händler Amazon aus den USA oder Hermes International aus Frankreich stehen auf dieser Liste.
Von Gerd Hübner



