Wolfgang F. Hawly

Risikokapitalgeber schreiben ihr eigenes Gesetz

Deutschen Wagniskapitalgebern ist die Politik zu langsam. Deshalb schreiben sie nun kurzerhand selbst einen Gesetzentwurf, der günstigere Bedingungen für Investitionen in Start-Ups schaffen soll.

Weil ihnen die Politik zu langsam ist, schreiben die Wagniskapitalgeber in Deutschland selbst einen Gesetzesentwurf. Sie erinnern die Regierungskoalition an deren Versprechen, günstigere Bedingungen für Risikokapital (Venture Capital) zu schaffen. Seit den Ankündigungen im Koalitionsvertrag sei knapp ein Jahr vergangen, aber nichts passiert, sagte die Geschäftsführerin des Branchenverbandes BVK, Ulrike Hinrichs, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z./Montagsausgabe). „Deswegen haben wir beschlossen: Jetzt schreiben wir selbst ein Gesetz.“ Vorgestellt werden soll es im Januar.

Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag im November 2013 günstigere Bedingungen für Investoren in Aussicht gestellt, die Geld in Start-ups stecken, vor allem in High-Tech-Unternehmen. Die „rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen“ sollten sich verbessern, hieß es. Dem folgte im März ein Antrag der Regierungsfraktionen im Bundestag, Eckpunkte für ein Venture-Capital-Gesetz vorzulegen.

Weil er keine Bewegung sieht, prescht der BVK, der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, nun selbst vor. Vor einigen Monaten hatte der Verband zusammen mit  zwei anderen Verbänden ein Bündel von Maßnahmen angemahnt, das Wagniskapital fördern soll. Darunter sind Regeln zur Berücksichtigung von Jungunternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen, steuerliche Vorteile für Forschungsausgaben und der Verzicht darauf, eine  Umsatzsteuer auf Verwaltungsleistungen von Fondsmanagern zu erheben. Diese Schritte sollen auch die Grundlage für den Gesetzesentwurf bilden: „Sie können relativ sicher davon ausgehen, dass ein Großteil der Maßnahmen sich in dem Gesetz wiederfinden wird“, sagte Hinrichs.

Nach BVK–Daten flossen im vergangenen Jahr in Deutschland 702 Millionen Euro Wagniskapital.

Quelle: F.A.Z.

 

Wolfgang F. Hawly

Alibaba will mit Apple gemeinsame Sache machen

 Es wäre eine Zusammenarbeit unter Riesen: Chinas Internetkonzern Alibaba will beim Bezahldienst mit Apple kooperieren. Noch in dieser Woche treffen sich die beiden Firmen-Chefs.

28.10.2014

© DPA Alibaba-Chef Jack Ma

Alibaba-Chef Jack Ma will künftig im Bereich der Bezahldienste gemeinsame Sache machen mit dem Branchenriesen Apple. Das berichtet das Wall Street Journal. Erst im September war der chinesische Internetkonzern erfolgreich an die Börse gegangen.

„Ich hoffe, dass wir etwas zusammen machen können“, sagte Ma am Montag während einer Technologiekonferenz der amerikanischen Zeitung in Kalifornien. Es solle jedoch eine „Ehe“ sein, die von beiden gewollt sei.

Während Apple seinen Bezahldienst Apple Pay erst im Oktober gestartet hat, ist Alibaba in dem Geschäftsfeld schon ein alter Hase. Sein Dienst Alipay, der Paypal ähnelt, hat laut Ma 300 Millionen aktive Nutzer. Ma äußerte sich allerdings nur zögerlich zu der Frage, ob er Paypal kaufen wolle, wenn der Bezahldienst von Ebay abgespalten werde.

Apple-Chef Tim Cook will sich im Verlauf der Woche mit Jack Ma treffen, um über mögliche Kooperationen zu beraten. Alibaba habe alle Eigenschaften eines Unternehmens, mit dem sich Apple gerne zusammentun werde. Er machte jedoch keine Aussage dazu, ob Apple bei Bezahldiensten mit Alibaba zusammenarbeiten wolle.

Gerade die Vereinigten Staaten bieten nach Aussage des Alibaba-Chefs für den chinesischen Internetkonzern „großartige Möglichkeiten im E-Commerce“. In den Vereinigten Staaten sieht Ma noch Potential für mehr Wettbewerb zwischen den Internetunternehmen. „Amazon, Ebay. Man braucht mehr“, sagte Ma.

Im Juni dieses Jahres hatte Alibaba die amerikanische Shopping-Plattform 11 Main auf den Markt gebracht. Ma wolle zudem mehr kleine amerikanische Unternehmen mit Chinas Märkten verbinden, um die Nachfrage chinesischer Verbraucher nach ausländischen Produkten zu befriedigen.

Seit dem Börsengang im September haben die Aktien von Alibaba um 44 Prozent zugelegt. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beträgt mehr als 240 Milliarden Dollar. Damit ist Chinas Internetkonzern größer als Amazon und Ebay zusammen.

Quelle: ancs

Wolfgang F. Hawly Bayern vs. Deutschland

16 Dinge, die in Bayern eine total andere Bedeutung haben als in Deutschland 

Mit den Bayern ist das so eine Sache. Die Deutschen glauben oft, Sie verstehen das Volk aus dem Süden nicht. Und die Bayern wiederum glauben, Sie verstehen die Deutschen nicht.

Aus gutem Grund. Denn hier sind 16 Dinge, die in Bayern eine ganz andere Bedeutung haben als in Deutschland:

  1. Bier

Was es überall bedeutet: Alkoholisches Getränk, gereicht in Gläsern und Flaschen zwischen 0,2 (klein) und 0,5 Litern (groß).

Was es in Bayern bedeutet: Grundnahrungsmittel. Nur echt in 1-Liter-Maßkrügen.

 2.   Kaiser

Was es überall bedeutet: Herrschaftstitel, zum Beispiel im Römischen Reich oder im Mittelalter.

Was es in Bayern bedeutet: Bezeichnung für Franz Beckenbauer, einen ehemaligen deutschen Fußballer. Weltmeister und Lichtgestalt.

 

  1. Politik

Was es überall bedeutet: “Institutionen, Prozesse, Praktiken und Inhalte, die die Einrichtung und Steuerung von Staat und Gesellschaft im Ganzen betreffen.” (Wikipedia)

Was es in Bayern bedeutet: Alleiniger Herrschaftsbereich der Christlich Sozialen Union (CSU).

 

  1. FJS

Was es überall bedeutet: nichts.

Was es in Bayern bedeutet: Franz Josef Strauß. Übervater. Ehemaliger Ministerpräsident Bayerns und CSU-Vorsitzender.

 

  1. Deutscher Meister

Was es überall bedeutet: Besondere Auszeichnung, vor allem im Sport.

Was es in Bayern bedeutet: Dauerzustand. Verfehlungen werden mit harten Strafen geahndet.

 

  1. Wies(e)n

Was es überall bedeutet: Grünflächen, die der Erholung oder sportlichen Ertüchtigung dienen.

Was es in Bayern bedeutet: Ehemalige Grünfläche, inzwischen vor allem grau. Veranstaltungsort und gleichzeitig Bezeichnung des jährlichen Oktoberfests. Schauplatz zweiwöchiger trinksportlicher Ertüchtigung.

 

  1. Ich gehe nach der Arbeit noch mal eben einkaufen.

Was es überall bedeutet: Ich gehe nach der Arbeit noch mal eben einkaufen.

Was es in Bayern bedeutet: Maaaaann! Hat schon wieder alles zu!

 

  1. Preußen
    Was es überall bedeutet: Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein Land zwischen Ostsee, Pommern, Polen und Litauen.

Was es in Bayern bedeutet: Mehr oder weniger alles, was nördlich von München liegt, insbesondere auch Franken.

 

  1. “Das macht doch kein Mensch nicht.”

Was es überall bedeutet: Hä?

Was es in Bayern bedeutet: “Das macht doch kein Mensch nicht.” (eine Eigenheit der bayerischen Sprache ist die doppelte Verneinung)

 

  1. Viertel vor acht

Was es überall bedeutet: Viertel vor acht. 7.45 oder auch 19.45 Uhr.

Was es in Bayern bedeutet: Hä? (Der Bayer sagt Dreiviertel acht)

 

  1. Föhn

Was es überall bedeutet: Ein Gerät zum Haaretrocknen.

Was es in Bayern bedeutet: Sich auf die allgemeine Befindlichkeit auswirkendes Wetterphänomen. Verursacht Kopfschmerzen und allgemeine Unlust.

 

  1. Schule

Was es überall bedeutet: Fortbildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche zur Vorbereitung auf die Herausforderungen des Lebens.

Was es in Bayern bedeutet: Ort geistiger Höchstleistungen, ständiger Prüfungen, auch unangekündigt („Extemporale“, kurz „Ex“), mit dem Ziel, die Elite des Landes hervorzubringen.

 

  1. Gott

Was es überall bedeutet: Übernatürliches Wesen oder höhere Macht.

Was es in Bayern bedeutet: Gott mit dir du Land der Bayern, Heimaterde, Vaterland! Über deinen weiten Gauen walte seine Segenshand! Er behüte deine Fluren, Schirme deiner Städte Bau. Und erhalte dir die Farben deines Himmels, Weiß und Blau! (aus der Bayernhymne)

 

  1. Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Allerheiligen

Was es (fast) überall bedeutet: Tage der Arbeit

Was es in Bayern bedeutet: Feiertage.

 

 5.   Berlin

Was es überall bedeutet: Berlin, die Hauptstadt Deutschlands.

Was es in Bayern bedeutet: Irgendeine Stadt in Preußen.                                                         Die deutsche Hauptstadt ist München.

 

  1. Bayern

Was es überall bedeutet: Land im Süden, das sich für besser hält als der Rest der Republik und nur unter Vorbehalt zu Deutschland gehörig fühlt.

 Was es in Bayern bedeutet: Bayern gehört zu Bayern. Die Bayerische Verfassung stellt aber ausdrücklich fest, dass auch andere Deutsche dazugehören dürfen: „Alle deutschen Staatsangehörigen, die in Bayern ihren Wohnsitz haben, besitzen die gleichen Rechte und haben die gleichen Pflichten wie die bayerischen Staatsangehörigen.“   (Artikel 8, Gleichstellung aller Deutschen).

 

Und was es im Ausland bedeutet: Bayern und Deutschland sind ein und dasselbe.

 

 

Wolfgang F. Hawly, die Wahrheit über München

15 hässliche Wahrheiten, die Ihnen ein Münchner nie über seine Stadt erzählen wird.

Es gibt viele nette Dinge, die man über deutsche Großstädte sagen kann. Sogar über München.

Am nettesten reden natürlich meist die Einheimischen selbst über ihre eigenen Städte. Gerade die bayerische Landeshauptstadt ist voll von Lokalpatrioten, die Fremden niemals die Wahrheit über München erzählen würden.

Schluss damit: Hier sind 15 hässliche Wahrheiten, die Ihnen nie ein Münchner über seine Stadt erzählen würde.

1. München ist keine grüne Stadt

Klar, München hat den Englischen Garten, der unter Einheimischen immer im stoiberschen Klassenstrebersprech mit dem Vize-Superlativ als „zweitgrößter Stadtpark der Welt“ bezeichnet wird. Und sonst so? Olympiapark. Westpark. Perlacher Forst. Und dann wird’s eng.

Tatsächlich ist München die am dichtesten bebaute Großstadt Deutschlands. Hier leben 4531 Einwohner auf dem Quadratkilometer. Doppelt so viele wie in Hamburg (2312) und Köln (2553), und auch zum „Moloch“ Berlin herrscht gebührender Respektabstand (3837).

Hinzu kommt, dass durch die schmalen, spärlich begrünten Straßen in München schnell ein Gefühl der Enge entsteht.

2. Deshalb ist das größte Kompliment, das die Münchner ihrem München machen: „Man ist schnell draußen“

Fragt man Münchner, warum sie gerne in ihrer Stadt leben, wird verständlicherweise niemand sagen: „Weil es hier so preiswert ist.“ Oder: „Weil man so schnell neue Menschen kennenlernt.“ Fast jeder aber antwortet reflexhaft: „Weil man schnell in den Bergen ist.“ Welch Ironie.

Das erinnert an Heinrich Heine, der einst über Göttingen schrieb: „Die Stadt selbst ist schön, und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht.“ Eigentlich ist dieses „Man ist schnell draußen“ wohl die bayerische Entsprechung zum rauen, ruhrdeutschen Heimatbekenntnis: „Scheiße is auch anderswo.“

3. Vergesst Bochum und Gießen! München ist Deutschlands Betonhauptstadt

Ein teuflisch genialer PR-Schachzug der Stadt München war es, der Welt weiszumachen, dass die Stadt nur aus Biergärten, dem Englischen Garten und barocken Kirchen bestünde. Wer mal an der Schwanthalerhöhe oder in der Olympiapressestadt seine rosarote Brille abnimmt, dem schlägt die brutale Wahrheit dann wie ein nasses Handtuch ins Gesicht.

München ist die wahrgewordene Hieronymus-Bosch-Phantasie von hyperaktiven Bauhaus-Architekten mit einem zärtlich ausgelebten Fetisch für Betongussverfahren.

Das ist nicht unbedingt verwunderlich: München ist nach dem Zweiten Weltkrieg schwer zerstört gewesen. Und außerdem ist die Stadt in der Glanzzeit der Höher-Breiter-Billiger-Architektur enorm gewachsen. Dass aber die Münchner heute im duseligen „Mei, is des schee“-Selbstzufriedenheitsgefühl mit dem Finger auf Herne oder Kassel zeigen, zeugt eher von einem gestörten Verhältnis zur Realität.

Übrigens, Münchner: Selbst die netten Fassaden an der Ludwigsstraße wurden nach dem Krieg teilweise aus Beton rekonstruiert. Aber jetzt nicht weinen.

4. Münchner arbeiten meist dort, wo die Stadt am hässlichsten ist

In ihrer ohnehin schon grausam verbauten Stadt finden die Münchner oft nur an den hässlichsten Ecken noch einen Arbeitsplatz. Der Grund dafür: Dort, wo München nach dem Krieg ganz passabel rekonstruiert wurde, kann sich kein redlich arbeitendes Unternehmen mehr die Mieten für Gewerbeimmobilien leisten.

Diese Erfahrung teilen die Siemens-Mitarbeiter im Münchner Süden mit den BMW-Arbeitern im Norden und den Kreativen in der postnuklearen Stadtlandschaft hinter dem Leuchtenbergtunnel.

5. Wer immer noch nicht glauben will, dass die deutsche Infrastruktur bröckelt, sollte mal nach München kommen

Okay, der Osten hat von den Finanztransfers der vergangenen Jahre überdurchschnittlich stark profitiert. In Leipzig gibt es jetzt den City-Tunnel, durch Thüringen wird gerade eine hochmoderne ICE-Trasse gebaut.

Trotzdem ist man als naiver Städtetourist nicht auf den Schock vorbereitet, der einen trifft, wenn man zum ersten Mal die Münchner S-Bahn auf der Stammstrecke benutzt.

Baustellen. Ranzige Anzeigentafeln. Dunkle, abgelebte Schächte, oft mit farbigen, glasierten, versifften Kacheln gefliest, die stilistisch an die alte Bundesrepublik erinnern. Der Ostbahnhof stellt zudem das deutschlandweit am schlimmsten gescheiterte Infrastrukturprojekt der Nachkriegszeit dar. Wer sich noch nie am Ostbahnhof verlaufen hat, hat ihn nicht gesehen.

6. München war einmal eine Künstlerstadt. Jetzt wird hier nur noch Kunst ausgestellt

Es ist schon verdammt lange her. Aber München war einmal Treffpunkt für Kreative und Anarchos aus der ganzen Welt. Noch in den 70er-Jahren galt die bayerische Landeshauptstadt als Deutschlands aufregendste Metropole. Die Zeiten sind lange vorbei. Wer heute mit Kunst sein Leben bestreiten will, muss nach spätestens sechs Monaten mit dem Räumungsbescheid für seine Wohnung rechnen.

Kein ernstzunehmender Nachwuchskünstler ohne einen Zahnarztpapa aus Starnberg kann sich diesen Kostenwahnsinn in München noch leisten. Die Folge: München bezeichnet sich zwar immer noch gern selbst als Stadt der Künste. Doch hier wird keine Kunst mehr geschaffen. Sondern nur noch ausgestellt.

7. Die Lebenshaltungskosten sind mittlerweile so hoch, dass Unternehmer Probleme haben, neue Mitarbeiter zu finden

Diese Meldung hätte kürzlich das Kreisverwaltungsreferat in Alarmstimmung versetzen müssen: Freie Stellen können von Unternehmen bisweilen nicht mehr besetzt werden, weil sich kein normaler Arbeitnehmer von außerhalb die Lebenshaltungskosten leisten kann. Gewarnt wird davor seit 15 Jahren. Etwas dagegen unternommen hat niemand etwas.

8. Die Ladenöffnungszeiten in München sind eine Zumutung für jeden Arbeitnehmer

Nicht nur, dass München keine Kiosk-, Späti-, oder Büdchenkultur hat: Auch die Öffnungszeiten der Supermärkte verharren auf dem Stand der Kohl-Ära, während die ohnehin schon von Kostenstress und Überstunden geplagten Arbeitnehmer meist vor verschlossenen Schiebetüren stehen.

Auch das macht diese Stadt ein Stück weit unmenschlich: Die Dienstleistungsmentalität erinnert manchmal an die gute, alte DDR.

9. Das Oktoberfest war mal ein Volksfest. Jetzt ist es eine Kreuzung aus Merchandising, Protzkultur und Komasaufen

Und wer als Angehöriger des „Volkes“ auf dieses so genannte Volksfest gehen will, muss sich entweder schon mit den Berufsalkoholikern morgens um zehn die Kante geben oder darauf hoffen, dass ihn die Gnade des Großkapitals in Form einer Einladung für einen der reservierten Tische in den maßlos überfüllten Zelten ereilt.

Haste was, biste was. Als armer Schlucker dagegen kannst du auf dem Oktoberfest die meiste Zeit nur den anderen beim Feiern zuschauen. Draußen, vor dem Zelt.

10. München ist eine Stadt der Alten

Schon ein Blick auf die Klatschseiten genügt, um festzustellen, dass sämtliche relevanten Promis in dieser Stadt über 40 sind, die meisten sogar über 50. Und so schwer man sich Franz Beckenbauer und Uschi Glas als junge Menschen vorstellen kann: Sie waren es tatsächlich einmal. Aber genauso lang ist es schon her, dass diese Stadt mal für junge Menschen wirklich attraktiv war.

11. Der Englische Garten ist tatsächlich schön. Leider wissen das zu viele

Der Berliner Tiergarten mit seinen rauchenden Grillen und den Bergen von Abfall ist nichts dagegen, was sich bei Sonnenschein im Englischen Garten abspielt: Jeder, und wirklich jeder transportfähige Münchner wackelt dann in den Park, um dort zwischen allerlei Bongogekloppe und Teeniegekreische das zu finden, was er in seiner völlig überlaufenen Stadt wohl als „Erholung“ bezeichnet.

Tatsächlich ist der Englische Garten ein sehr schöner Ort. Morgens um sechs, kurz nach Sonnenaufgang, wenn einem allenfalls ein paar verstrahlte Jogger begegnen.

12. Wer Fußball in der Allianz-Arena schauen will, kann sich jeden Samstag auf Erstickungszustände in der U-Bahn einstellen

In einer völlig kaputt spekulierten Stadt wie München gab es für ein neues Fußballstadion natürlich keinen Baugrund im Stadtzentrum mehr. Deshalb musste die „Allianz-Arena“ in Fröttmaning gebaut werden? Frött…was? Genau dort. Und natürlich fährt dort nur eine maßlos überlaufene U-Bahn hin.

S-Bahn- oder sogar ein Fernbahnanschluss: Fehlanzeige. Selbst wenn man als Nicht-Bayer nur dort hin will, um im Gästeblock die nächste Münchner Meisterschaft nach Halseskräften zu verhindern, kommt man sich nach der Anreise vor wie angelutscht und ausgepuckt.

13. München hat keine Streetfood-Kultur

Der heißeste Essenstrend dieses Jahres ist „Streetfood“. Grob gesagt bezeichnet das alles Essen, das außerhalb von Restaurants an Straßen verkauft wird. Das müssen nicht immer nur Döner oder Pommes sein, in Berlin ist eine ganze Kultur um den Trend herum entstanden mit Märkten, Festivals und feinen Imbissständen.

In München probiert man dagegen immer noch, eine halbwegs essbare Currywurst zu produzieren.

14. Die Münchner Innenstadt ist mittlerweile ein Vergnügungspark für Touristen und Investmentbanker geworden

Kaum jemand mit einem normalen Job kann sich noch eine Wohnung in der Münchner Innenstadt leisten. Das hat zwei Folgen.

Erstens ist das Stadtzentrum ein Shoppingparadies geworden, in dem Extremkonsumenten und Touristengruppen sich tagsüber gegenseitig auf die Füße treten. Nach Ladenschluss sieht es in der Kaufinger Straße dann aus wie im Legoland bei Regenwetter. Zweitens locken die hohen Mieten die Hochfinanz an.

Das Wort „exklusiv“ kommt auf diese Weise in München wieder zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurück: „ausschließlich“ oder auch „ausschließend“. Genau das beschreibt die Atmosphäre zwischen Sendlinger Tor und Odeonsplatz am besten.

15. Ganze Stadtteile dämmern in einer Parallelwelt vor sich hin

Wenn in den Medien von München die Rede ist, dann oft nur von den Stadtteilen im Zentrum. Schwabing zehrt seit 50 Jahren von seinem wilden Image in den 60er-Jahren, Haidhausen ist der Gentrifizierungs-Hotspot, und das Westend soll seit 15 Jahren irgendwann mal cool werden.

Aber Hasenbergl? Neuperlach? Milbertshofen? Dort leben die weniger Wohlhabenden, die sich in München aber trotzdem die happigen Mieten leisten müssen. Vom bunten Leben in der Innenstadt kriegen diese Menschen nur wenig mit.

Kein Wunder, wenn dort Partys durchaus schon mal 15 bis 20 Euro Eintritt kosten und man wegen seiner Schuhe vom Türsteher ausgesondert wird. Ein weiterer Grund, warum München schon lange keine „Weltstadt mit Herz“ mehr ist.

Wolfgang F. Hawly

Vierjahrestief: Lohnt sich jetzt der Goldkauf?

Die US-Notenbank drosselt ihre Notenpresse, damit verfinstert sich der Ausblick für den Inflations- und Krisenschutz Gold. Der Preis für die Feinunze stürzt auf den niedrigsten Stand seit 2010.                             Eine Chance zum Einstieg?

Ein stärkerer US-Dollar hat die Preise für Rohstoffe wie Öl und Gold am Donnerstag nach unten gedrückt. Der Preis für die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent fiel um 0,8 Prozent auf 86,47 Dollar je Barrel. Der Goldpreis rutschte um 0,9 Prozent auf 1201 Dollar je Feinunze. Damit hat der Goldpreis den niedrigsten Stand seit 2010 erreicht.

„Werbung“ für das Edelmetall

Die Alternative für Deutschland hat mit ihrem Einstieg in den Goldhandel für viel Wirbel gesorgt Parteichef Bernd Lucke machte zuletzt in der Talkshow „Hart aber Fair“ unverhohlen Werbung für das Edelmetall– und erntete dafür viel Kritik. Wer einen Blick auf den Goldchart wirft und sich unter Marktexperten umhört, stellt sich indes fast zwangsläufig die Frage, ob der Münz- und Barrenkauf, den die rechtskonservativen D-Mark-Anhänger anbieten, derzeit eine gute Idee ist.

Nachdem der Goldpreis im letzten Jahr um mehr als 400 Dollar abgestürzt war, ging es 2014 zunächst wieder mühsam bergauf. Doch im Oktober büßte das Edelmetall seine Gewinne wieder ein und stand zuletzt bei etwa 1200 Dollar. Silber geriet noch heftiger unter die Räder und fiel auf den tiefsten Stand seit März 2010. „Spekulanten steigen aus und schauen sich nach renditestärkeren Alternativen um“, sagt Analyst Jasper Lawler vom Handelshaus CMC Markets. Anders als viele Wertpapiere werfen Edelmetalle keine Zinsen ab.

Milliardenschweres Anleihekaufprogramm

Deshalb liegt ein Grund für die trüben Perspektiven beim Edelmetall in der Aussicht auf steigende Leitzinsen in den USA. Am Mittwoch beschloss die US-Notenbank Fed bereits, das milliardenschwere Anleihekaufprogramm zu beenden, mit dem sie die Konjunktur zwei Jahre lang gestützt hatte. Sollte die Wirtschaft ihre aktuelle Fitness behaupten, könnte auch die Zinspolitik bald gestrafft werden. „Die Fed dürfte die Zinsen früher anheben als allgemein erwartet, möglicherweise bereits im März“, sagt US-Chefökonom Paul Ashworth vom Analysehaus Capital Economics.  

Steigende Leitzinsen – das bedeutet weniger billiges Geld und damit tendenziell weniger Inflationsgefahr. Gold verliert dadurch an Attraktivität, denn es ist besonders als Wertspeicher bei ausufernder Teuerung gefragt. Zudem wird das Edelmetall vorwiegend in Dollar gehandelt und verteuert sich entsprechend, wenn die US-Währung aufwertet. Genau das ist momentan der Fall. Weil Amerika wirtschaftlich besser in Form ist als beispielsweise die Eurozone, setzen die Finanzmärkte auf den Dollar statt auf den Euro

AFD, Gold

dpa/HeraeusBlick auf einige 1000-Gramm-Goldbarren.
.

Misslingt der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik?

Eine Hoffnung für Goldfans gibt es allerdings. Wenn der US-Notenbank der reibungslose Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik misslingt, könnte es zu Turbulenzen an den Märkten kommen, die das Edelmetall als Antikrisenwährung profitieren lassen. „Wir haben noch nie Erfahrungen mit einer vergleichbaren Situation gemacht“, sagte der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Denkfabrik Council of Foreign Relations in New York – und empfahl, sich mit Gold abzusichern.

Finanzberater empfehlen das Edelmetall wegen seiner hohen Schwankungsanfälligkeit ohnehin nur als Beimischung im Portfolio.

Wolfgang F. Hawly: bemerkenswert

„Die Naivität des Westens ist grotesk“

Immer stärkere Globalisierung? Vorbei. Deutschland leidet unter dem Riss durch die Welt. Im FOCUS-MONEY-Interview warnt Ökonom Folker Hellmeyer vor den dramatischen wirtschaftlichen Folgen einer neuen Ost-West-Spaltung.

FOCUS-MONEY: Im September erreichte der Dax 9891Punkte. Derzeit notiert er deutlich tiefer. Was ist passiert?

Folker Hellmeyer: Wir haben eine ganze Reihe von Entwicklungen, die die positive Bewertung an den Aktienmärkten erheblich störten. Und das ist allen voran eine Verschärfung der geopolitischen Lage. Für mich ist die Abschwächung der europäischen und deutschen Konjunktur Ausdruck dieser Problematik. Dabei steht die Ukraine-Krise im Mittelpunkt. Neben der Problematik im Nahen Osten stellt sie das Risiko dar, dass es mittel- und langfristig zu einer Entglobalisierung im Rahmen einer Spaltung Europas und einer Spaltung des Westens gegen die „Shanghai Corporation“ kommt.

MONEY:Aberdie Europäische Zentralbank nimmt doch bis zu eine Billion Euro in die Hand, um „Ramschanleihen“ zu kaufen und die Wirtschaft zu stützen. So hieß es Anfang Oktober. In den vergangenen Jahren wirkte ein geldpolitischer Anreiz positiv auf den Dax.

Hellmeyer: Die Maßnahmen, die die EZB jüngst verfügt hat, werden ihre stabilisierenden Wirkungen mittel- und langfristig entfalten. Wir werden bis mindestens 2016 eine nachhaltig expansive Geldpolitik der EZB erleben, die unterstützend auf die Bewertung der Aktienmärkte wirken wird. Deswegen gehen wir auch von einem begrenzten Korrekturpotenzial der Aktienmärkte bis 8200/8500 im Dax aus. Was wir sehen, ist eine durch Geopolitik erzwungene Neubewertung des Dax.

MONEY:Schon wieder Geopolitik. Außer der Ukraine-Krise tauchen in den Nachrichten der Vormarsch der IS-Miliz im Nahen Osten oder die Krankheit Ebola auf.

Hellmeyer:Für mich spielt die Ukraine-Krise die größte Rolle und IS und Ebola eine untergeordnete. Der Ukraine-Konflikt ist der Grund für die Eintrübung der wirtschaftlichen Lage. Die USA sind von dieser Konstellation kaum betroffen. China ist ebenso nicht primär belastet. Wir stellen fest, dass sich die Abschwächung der Weltkonjunktur maßgeblich in der Euro-Zone abspielt. Die Folgen der US-Geopolitik finden ökonomisch und markttechnisch in erster Linie zu Lasten des heimischen Kontinents statt.

MONEY:Aber Russland ist nicht gerade der bedeutendste Handelspartner heimischer Konzerne. Nur gut drei Prozent des Gesamtexports werden dort erlöst.

Hellmeyer: Für mich ist Russland insgesamt viel wichtiger, als es der Exportanteil der deutschen Unternehmen vermuten lässt. Es wird nicht nur der bilaterale Güteraustausch mit Russland beeinträchtigt. Andere Länder, beispielsweise Finnland, Österreich, die Slowakei, Polen oder Ungarn, die starke wirtschaftliche Beziehungen mit Russland haben, werden bei uns weniger nachfragen. Nur die Sichtweise auf Russland zu reduzieren ist vollkommen falsch. Mehr noch: Deutschland und die EU stellen ihre ökonomische Zuverlässigkeit gegenüber den Ländern, die nicht zum engeren Freundeskreis der USA gehören, zur Disposition. Das ist ein verheerendes Signal, da wir Kapitalgüter exportieren, wo zwischen Unterschrift und Lieferung Jahre vergehen können. Dieser Risiko Cluster wird für den Dax aktuell diskontiert und muss als laute Mahnung an die Politik verstanden werden.

MONEY:Auf der Welt bilden sich neue Blöcke?

Hellmeyer: Exakt, das interpretiere ich als das Risiko der Entglobalisierung. Die Naivität des Westens, unser Verständnis von Demokratie und westlicher Lebensweise über „Interventionen“ auf andere Kulturkreise zu übertragen, ist grotesk. Man kann vor allen Dingen Demokratie nicht herbeibomben oder herbeiputschen. Im Namen unserer westlichen Werte wurden von Afghanistan bis Libyen und zuletzt in der Ukraine eine Blutspur und Chaos hinterlassen. Damit forciert der „Westen“ diese kontraproduktive ökonomische Entwicklung.

MONEY:Sie befürchten eine Teilung der Welt in einen asiatischen Teil, etwa in Form der Shanghai Corporation, und einen Teil, der Europa und Nordamerika umfasst?

Hellmeyer:Lassen Sie uns das Thema Shanghai Corporation ein wenig vertiefen. Die infrastrukurelle Erschließung der gesamten eurasischen Platte als auch von Teilen Afrikas ist aufgesetzt. Russland und China haben ein massives Vertragswerk mit 30 Einzelverträgen verabschiedet. Infrastruktur ist die Basis der wirtschaftlichen Erschließung. Der Schulterschluss Russlands mit China als Folge des westlichen Russland-Politik wird erkennbar immer enger. Hier wird die nächste große Wachstumsbonanza im Bereich der aufstrebenden Länder kreiert, und Europa ist durch die Geopolitik gerade dabei, sich mangels ökonomischer Verlässlichkeit dieser Wachstumsbonanza zu entziehen. Ich empfinde ein wenig Fassungslosigkeit.

MONEY:Die Europäer schaden sich mit ihren Sanktionen gegen Russland also selbst am meisten?

Hellmeyer: In der Tat. Und ich beglückwünsche Berlin und Brüssel, die mahnenden Worte einiger weniger Experten mit gutem Track-Record sportlich überhört zu haben.

MONEY: Gehört zu diesem Spiel um die „Weltherrschaft“ auch der US-Dollar?

Hellmeyer: Der Dollar ist für die Machtposition der USA elementar und wird aggressiv verteidigt. Die Lernkurve aus der Geschichte verbietet Weltkriege zur Lösung der Machtfrage. Die Auseinandersetzung um Macht verlagert sich in andere Bereiche. Wir sind heute mit dem Phänomen des Wirtschafts- und Finanzkriegs konfrontiert. Die USA und Großbritannien kontrollieren die wesentlichen Strukturen unseres Finanzsystems und leben dort ihre Macht aus.

MONEY: Und die Stärke der US-Währung bringt den Ölpreis unter Druck. Geht Russland letztlich die Luft aus?

Hellmeyer: Wir sehen im Zuge der Ukraine-Krise durchaus Charaktermerkmale der Politik Ronald Reagans, die Russland 1990 in die Knie gezwungen hat. Damals ist es auch über die Manipulation des Ölpreises gelaufen. Diesmal wird es nicht identisch funktionieren, weil die USA mit Fracking und Shale-Gas Geschäftsmodelle aufgebaut haben, die Preise im Dunstkreis von 90 Dollar voraussetzen, um die laufenden Kosten zu decken. Auf Dauer halten die USA diese Manipulation nicht aus, ohne sich selbst zu schaden.

MONEY:Wenn man sich die Großwetterlage anschaut, denken die Anleger vermutlich eher an Kapitalerhalt als an die Optimierung der Rendite. Ist das ein Fehler?

Hellmeyer: Ja, in Krisenzeiten kann man günstig Aktiva erwerben. Ich halte auf dem aktuellen Niveau einen Einstieg in die Aktienmärkte für vertretbar. Man braucht eine Strategie, und die Strategie heißt: gestaffelt in nachgebenden Märkten Positionen aufzubauen. Die Dividendenrendite des Dax beträgt über drei Prozent. Das KGV bei zwölf liegt deutlich unter dem historischen Schnitt und um circa 25 Prozent unter dem Niveau der US-Aktienmärkte. Krisen bieten Chancen . . .

Quelle:

Zur Person: Folker Hellmeyer wurde 1961 in Hamburg geboren, er absolvierte eine Banklehre und ging auf eine Bankakademie. 1984 wurde er Devisenhändler bei der Deutschen Bank , 1990 Devisenmakler bei Bierbaum & Co., 1995 Senior-Händler und Chefanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen. Seit 2002 ist er Chefanalyst und Chefvolkswirt der Bremer Landesbank

Wolfgang Hawly

Umverteiler, Geldausgeber: So schamlos macht die Regierung uns zum Sozialamt Europas

Die große Koalition ist eine Ansammlung von Umverteilern, Geldausgebern, Steuererhöhern und Subventionsvergebern: Unter dem Deckmäntelchen „Wohlstand für alle“, lullt die Politik die Bürger ein.

Eine fatale Entwicklung, kritisiert FOCUS-Online-Experte Hermann Otto Solms.

Schwarze wie Rote lullen die Menschen in Deutschland ein mit ihren üppigen Wahlgeschenken, wohlklingenden Versprechen und finanziellen Verlockungen. Die Arbeitslosenquote ist gering, die Steuereinnahmen sprudeln, der Wachstumsmotor läuft.

Vor diesem Hintergrund haben Union und SPD leichtsinnig massenhaft Geld ausgegeben. Ob Mindestlohn, Rente mit 63 oder Mütterrente – die große Koalition lobt sich selbst überschwänglich ob der vielen gönnerhaften Beglückungen für die Bürger.

Einer muss es eben zahlen

Dass dabei die Staatsausgaben massiv steigen oder der Rentenbeitrag nicht abgesenkt wurde, wird billigend in Kauf genommen.  Dass die kalte Progression nicht abgeschafft werden kann, weil das Rentenpaket zig Milliarden Euro kostet, ist ebenso falsch. Dass all das zu Lasten der arbeitenden und besonders zu Lasten der jungen Menschen geht – na ja, einer muss ja zahlen.

Diese rücksichtslose Umverteilung von unten nach oben muss ein Ende haben. Der großen Koalition geht es nicht um Wohlstand für alle oder um die breite Mitte in Deutschland. Die bleibt auf der Strecke und wird schamlos geschröpft.

Große Koalition schafft immer mehr Ungerechtigkeiten

Es wird in keiner Weise überprüft, welche Auswirkungen und Folgen Beschlüsse wie das Rentenpaket oder derMindestlohnhaben. Um noch mehr Steuergelder zu verteilen, greift die große Koalition in den Wettbewerb ein und schafft dadurch immer mehr Ungerechtigkeiten, die wiederum durch Korrekturen teuer bezahlt werden müssen.

Man kann aber nur das Geld ausgeben, das man vorher erwirtschaftet hat. Etwas, was die große Koalition nicht zu begreifen scheint.

Was passiert, wenn die Konjunktur stottert?

Wie geht es weiter mit dem großen Umverteilen, wenn die Konjunktur abflaut, die Steuereinnahmen zurückgehen, die Arbeitslosigkeit steigt – wie es erste Prognosen bereits voraussagen?

Wer den Wohlstand unserer Bürger und unseres Landes erhalten und sichern will, müsste jetzt die Entscheidungen dafür treffen. Heute müssten Anreize für Investitionen gesetzt werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auch in zehn Jahren mit sechs Millionen weniger Fachkräften erhalten werden kann.

Mehr Investition von Wirtschaft und Staat

Wir bräuchten mehr Investitionen von Wirtschaft und privaten Haushalten, aber ebenso vom Staat – um Bildung und Infrastruktur zu verbessern. Statt das Geld wie beim Rentenpaket zu verteilen, und damit dem Investitionsprozess zu entziehen.

Noch sind die öffentlichen Kassen prall gefüllt. Vor dem Hintergrund der sprudelnden Einnahmen ist es die Pflicht der Bundesregierung, die schleichende Enteignung der Leistungsträger unserer Gesellschaft endlich zu beenden.

Deutschland wird das Sozialamt für Europa

Doch anstatt zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen, werden die Kassen immer weiter geöffnet. Deutschland wird darüber hinaus immer mehr zum Sozialamt für Europa. Das zeigt das jüngste Urteil des Bundessozialgerichts über Hartz IV für im Ausland lebende Kinder.

Die Ausgestaltung der Sozialsysteme sowie die Arbeitspolitik ist aber Sache der Nationalstaaten und nicht Gegenstand der europäischen Politik. Grenzüberschreitende Sozialpolitik ist in den europäischen Verträgen nicht vorgesehen.

Wir werden noch teuer bezahlen

Doch das wird immer weiter aufgeweicht, auch durch Gerichte. Richter maßen sich an, ein Recht zu entwickeln, das weit über das Gewollte hinausgeht.

Diese Unvernunft, ohne Gegenleistung möglichst viele Wohltaten zu gewähren, kann der Steuerzahler kaum noch mit seiner Arbeit und seinen Leistungen bewältigen.

Anstatt die Menschen zu entlasten, die Abgaben zu senken und damit die Leistungsbereitschaft der Bürger zu stärken, tut die große Koalition leider bislang das Gegenteil. Für diese politischen Versäumnisse werden wir alle teuer bezahlen müssen.

Wolfgang F. Hawly

Polizist schießt wehrlosem Cannabis-Dealer von hinten in den Kopf

André B. war unbewaffnet. Auf der Flucht vor der Polizei wurde er von einem Beamten erschossen. Es hieß, der Schuss sei unabsichtlich tödlich gewesen.

Aber es sieht so aus, als ob die Polizei doch eine andere Wahl gehabt hätte.

Der 33 Jahre alt Mann war vor knapp einem Jahr aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er wegen Drogengeschichten einsaß. Er wurde erneut per Haftbefehl gesucht.

André B. dealte nicht mit Koks oder Crystal Meth, er handelte mit Cannabis.

Als zwei Zivilfahnder der Polizei ihn in einem Hinterhof im bayerischen Burghausen sahen, war er auf dem Weg zu seiner Freundin, sagen Zeugen. Weil er offenbar versuchte zu fliehen, gab einer der Polizisten einen Warnschuss ab, er rief: „Polizei! Stehenbleiben!“.

Aber dann schoss er dem Mann Berichten zufolge sofort aus etwa fünf Metern Entfernung von hinten in den Kopf. B. war sofort tot. Nebenan spielten Kinder.

„André hat die Polizisten nicht angegriffen und war nicht bewaffnet“, sagte eine Zeugin: Er hatte keine Chance.“

Zeugen berichteten auch, dass die Beamten nach dem Schuss keine Rettungsversuche unternahmen. Der Rettungswagen soll erst 45 Minuten später am Tatort gewesen sein.

B.s Mutter Lilia sagt: „Das war eine Hinrichtung. Warum haben sie so gehandelt?“

Die Familie hat Anzeige gegen den Beamten erstattet, der vorübergehend vom Dienst suspendiert wurde.

Er habe nur das Bein des Flüchtenden treffen wollen, sagt er. Aber kann ein Polizist aus so kurzer Entfernung so falsch zielen?

Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung.

In der „stern tv“-Sendung am Mittwoch war Karolina S. zu Gast, die Freundin des Opfers.

Sie sagte: „Ich wünsche mir, dass der Polizist einfach seine gerechte Strafe bekommt. So, wie wir Bürger das auch bekommen hätten, wenn wir jemanden erschossen hätten.“

Anwalt Steffen Ufer sagt: „Es muss geklärt werden, dass dieser Schuss absolut rechtswidrig, überflüssig und gefährlich war.“

Die Ermittlungen gegen den Polizisten seien nicht als „Vorverurteilung“ zu verstehen, heißt es von seiner Dienststelle. Polizisten dürfen ihre Waffe benutzen, um eine Person, „die in amtlichem Gewahrsam zu halten oder ihm zuzuführen ist“, an der Flucht zu hindern, steht im bayerischen Polizeiaufgabengesetz.

Dort steht aber auch, dass das nur geschehen darf, wenn andere Maßnahmen „keinen Erfolg versprechen“.

Diese anderen Maßnahmen sind laut „taz“ in Bayern offenbar schnell erschöpft. Von 2009 bis 2013 kamen in ganz Deutschland jedes Jahr zwischen sechs und acht Personen durch Schüsse von Polizisten zu Tode.

Bayern war bis auf 2011 immer mit dabei.

Quelle: The Huffington Post

Wolfgang Hawly

Facebook verdoppelt Gewinn – dank mobiler Werbung

Facebook setzt sein Wachstum fort und verdient dabei mehr Geld als erwartet – das soziale Netzwerk profitiert stark von den begehrten Werbeeinnahmen im Mobilgeschäft. Im dritten Quartal lag der Nettogewinn bei 806 Millionen Dollar (633 Mio. Euro), wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Das entspricht fast einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Werbeeinnahmen stiegen um 64 Prozent auf 2,96 Milliarden Dollar, bei mobilen Apps betrug das Plus sogar 66 Prozent. Internetgiganten wie Facebook, Google oder Yahoo verdienen in erster Linie durch Werbung. Doch nur dem sozialen Netzwerk gelingt es bislang, richtig im immer wichtiger werdenden mobilen Markt durchzustarten.

Die Zahl der monatlichen Facebook-Nutzer kletterte von Juli bis September von 1,32 auf 1,35 Milliarden. Im besonders begehrten mobilen Markt wuchs sie von 1,07 auf 1,12 Milliarden. Der Umsatz legte zum Vorjahr um 59 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar zu. Die Prognosen der Analysten konnten übertroffen werden.

„Starkes Ergebnis“

„Das war ein gutes Quartal mit starken Ergebnissen“, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Die Aktie notierte nachbörslich dennoch im Minus. Allerdings hat der Kurs seit Jahresbeginn bereits um fast 50 Prozent angezogen. An der Börse hätten sich viele für starke Zahlen positioniert und würden jetzt Gewinne mitnehmen, hieß es aus dem Handel. Die Aktie war in der letzten Woche um sechs Prozent gestiegen.

„Facebook macht weiter starke Fortschritte bei Werbeeinnahmen und Usern, vor allem im mobilen Geschäft“, sagte Experte Mark Vickery vom Analystenhaus Zacks Investment Research. Die Zahl täglich aktiver Nutzer, die im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 864 Millionen zunahm, sei besonders beeindruckend. Wachstumsprobleme wie beim Kurznachrichtendienst Twitter, der am Vortag mit seinen Quartalszahlen enttäuscht hatte, seien bei Facebook Fehlanzeige.

Wolfgang F. Hawly

So holen Sie sich die unerlaubten Kredit-Gebühren von Ihrer Bank zurück!

Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Bankkunden können sich unrechtmäßig erhobene Gebühren für Kredite zurückholen – rückwirkend für die vergangenen zehn Jahre. Die Institute kann das Milliarden kosten.

Auf die deutschen Banken kommen Rückforderungen von Ratenkredit– Kunden in Milliardenhöhe zu. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied am Dienstag, dass Kunden unzulässigerweise verlangte Bearbeitungsgebühren für Verbraucherkredit zurückfordern können. Das gilt auch dann, wenn die Verträge vor 2011 geschlossen wurden. Die Forderungen seien nicht verjährt. Das Urteil gilt rückwirkend für zehn Jahre. Verjährt sind nur Rückforderungen aus Verträgen, die vor dem 29. Oktober 2004 geschlossen wurden (Az. XI ZR 348/13 und XI ZR 17/14).(Anm. d Red.: Der BGH präzisierte einen Tag nach dem Urteil den Stichtag. Davor hatte es geheißen, dass Verträge verjährt seien, die vor dem Jahr 2004 geschlossen wurden.)

Wie kriege ich mein Geld zurück?

Sie müssen sich mit einem Brief an Ihre Bank wenden und das Geld einfordern. Dafür haben Sie noch bis Ende des Jahres Zeit. Die Gebühren beziehungsweise Bearbeitungsentgelte stehen oftmals auf der ersten Seite der Kreditverträge in den sogenannten vorvertraglichen Informationen.

Wer seinen Vertrag nicht mehr findet, kann seine Bank anschreiben und um eine Abschrift des Darlehensvertrags bitten.

Teilweise verweigern die Banken die Rückzahlung, weil das Entgelt individuell ausgehandelt worden sei. Der Bundesgerichtshof hat hier jedoch in einem ersten Urteil enge Grenzen gezogen.

Demnach gilt ein Entgelt, das je nach Höhe der Kreditsumme automatisch in ein Leerfeld des Vertrages eingetragen wurde, nicht als individuell ausgehandelt. Kunden, die mit dem Bescheid ihrer Bank nicht zufrieden sind, können sich an den Ombudsmann der privaten Banken wenden. Der Ombudsmann ist auch die richtige Anlaufstelle, wenn die Banken mit der Erstattung zögern, weil sie zuerst die Urteilbegründung abwarten wollen.

Worum ging es in dem Verfahren?

Im Mai hatte der BGH entschieden,dass Banken keine zusätzlichen Bearbeitungsgebühren für Kredite verlangen dürfen.

Der Grund:Eine Gebühr, die beim Abschluss eines Darlehensvertrages zusätzlich zu den Zinsen berechnet werde, benachteilige Kunden unangemessen. Die Bearbeitung von Krediten liege im eigenen Geschäftsinteresse der Banken. Seitdem fordern viele Bankkunden ihre Gebühren erfolgreich zurück. Bei Krediten, die vor 2011 abgeschlossen wurden, lehnen die Banken eine Rückerstattung jedoch oft wegen Verjährung ab. Der BGH musste nun klären, wie lange die Kreditanträge zurückliegen dürfen.

Was hat das Gericht entschieden?

Bankkunden können nun auch unzulässig erhobene Bearbeitungsgebühren für Konsumentenkredite zurückfordern, die sie vor 2011 abgeschlossen haben. Die Frist reicht zurück bis ins Jahr 2004. Der Vorsitzende Richter Ulrich Wiechers begründete die Ausdehnung der Verjährungsfrist damit, dass die Verbraucher erst mit den Urteilen verschiedener Oberlandesgerichte im Jahr 2011 Klarheit über die Rechtslage hatten und auch erst ab dann klagen konnten.

Um wieviel Geld geht es?

Banken müssen nun mit einer Flut an Rückforderungen rechnen; die Stiftung Warentest rechnet mit rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Die Gebühren machen immerhin ein bis vier Prozent der Kreditsumme aus. Nach einer Erhebung der Verbraucherzentralen betrug sie pro Kredit im Schnitt 400 Euro. Finanzexperte Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen schätzt, dass tausende Bankkunden betroffen sind.

Welche Kredite sind betroffen?

Es geht um Konsumkredite, also Kredite, mit denen zum Beispiel Fernseher oder andere Anschaffung finanziert werden. Zu dieser Gruppe gehören auch Ratenkredite. Ob das Urteil auch auf Bankkunden zutrifft, die Baudarlehen abgeschlossen und dafür Bearbeitungsentgelte gezahlt haben, war zunächst unklar.

Quelle: Focus Online