Wolfgang Hawly

Zum Steuernsparen nach Luxemburg                                                                     Wegen Steuerflucht: Schäuble greift Wirtschafts-Elite an

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat im Interview dem FOCUS klare Worte zur Steuerflucht des „‘Who’s who‘ der europäischen Wirtschaft“ gefunden: Die Eliten müssten aufpassen, dass sie nicht abheben und sich gesellschaftlich abkoppeln.

In ungewöhnlich scharfer Form hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die aggressiven Steuerverlagerungen in der EU kritisiert. „Die Liste derer, die in Luxemburg entsprechende Institutionen zum Steuersparen haben, ist ein ‚Who’s who‘ der europäischen Wirtschaft“, sagte Schäuble in einem Interview mit dem FOCUS.

Fairness ist Voraussetzung für Akzeptanz

Der moralische Schaden sei enorm. „Wenn sich bestimmte Gruppen nicht angemessen an der Finanzierung der öffentlichen Haushalte beteiligen, stimmt etwas nicht.“

Niemand erwarte vollständige Gerechtigkeit, aber es müsse wenigstens fair zugehen, sagt Schäuble. Denn das sei die Voraussetzung für Akzeptanz.

Verwunderung über Versagen mancher Vorbilder

„Dessen sollten sich die wirtschaftlichen Eliten stärker bewusst sein. Über das große Versagen, auch bei Menschen, von denen man mehr erwartet hätte, kann man sich nur wundern“, sagt der Minister. „Die Eliten müssen aufpassen, dass sie nicht abheben und sich damit abkoppeln vom Rest der Gesellschaft.“

Quelle: Focus Online

Wolfgang Hawly

Globaler Geldatlas                                                                                                             Wer in Deutschland zum Multimillionär wird

Nirgends in Europa leben so viele Superreiche wie in Deutschland: 19.000. Nur in den USA sind es mehr. Doch während die Multimillionäre in den Staaten ihr Geld meist selbst verdient haben, sprudelt in der Bundesrepublik eine andere Geldquelle.

Sie haben mal wieder einen neuen Rekord aufgestellt, die Superreichen dieser Welt: Sie besitzen nicht nur immer mehr Vermögen, sondern werden auch immer zahlreicher. Laut einer neuen Studie der Großbank UBS  ist die Zahl der Multimillionäre 2014 weltweit auf 211.275angestiegen. Das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Superreichen besitzen zusammen 13 Prozent des gesamten Vermögens auf der Welt.

Der Reichtum steigt laut dem Report in allen Regionen der Welt. Auch in Afrika, Südamerika und Asien wächst die Gruppe der Vermögenden.

Die meisten Superreichen leben weiterhin in den USA(74.865), Deutschland kann seine Position an zweiter Stelle halten. In der Bundesrepublik wohnen 19.095 der sogenannten „Ultra High Net Worth Individuals“ mit einem Vermögen von über 24 Millionen Euro. Es folgen Großbritannien mit 11.510 und die Schweiz mit 6635 besonders reichen Einwohnern.

So ist der Wohlstand auf der Welt verteilt

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Die meisten haben geerbt

Die deutschen Superreichen besitzen zusammen mehr als 2,06 Billionen Euro– das macht fast ein Viertel des Privatvermögens in der Bundesrepublik aus.

Dabei sind die Deutschen Superreichen meist keine „Self-made-Millionäre“wie beispielsweise viele Amerikaner. Die meisten haben ihr Geld geerbt. Der Anteil fällt mir 28 Prozent besonders hoch aus – nur in der Schweiz leben genauso viele Wohlhabende mit einem ererbten Vermögen.

Jeder Dritte ist in Deutschland durch eine Mischung aus Erbe und Eigenleistung zu seinem Vermögen gekommen, 41 Prozent haben die Millionen selber angehäuft – die meisten in der Industrie.

Deutschlands Superreiche leben vor allem in MünchenDüsseldorfHamburg und Stuttgart. Alle vier Städte gehören mit mehr als 1000 Superreichen zu den Top Ten in Europa. London führt die europäische Rangliste mit 6815 besonders reichen Einwohnern an.

Hier sind die Superreichen in Europa zu Hause

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So lebt der Durchschnitts-Multimillionär

Die UBS-Studie verrät nicht nur, wo die Superreichen wohnen, sondern auch, wer sie sind. 87 Prozent von ihnen sind Männer, nur 13 Prozent Frauen. Doch der Anteil der weiblichen Multimillionäre steigt: im Vergleich zum Vorjahr (2013) um 17 Prozent.

Die superreichen Frauen sind im Durchschnitt 57 Jahre alt und haben ihr Vermögen meist geerbt – die meisten Multimillionärinnen sind Witwen.

Der männliche Multimillionär hingegen hat sich sein Vermögen überwiegend selbst aufgebaut. Er ist im Schnitt 59 Jahre alt, arbeitet in der Finanzbranche und spielt in seiner Freizeit gerne Golf oder fährt Ski.

Fast alle Superreichen sind verheiratet. Nur vier Prozent sind geschieden, drei Prozent leben alleine. Im Schnitt geben die Superreichen dieser Welt im Jahr 1,1 Millionen Dollar (rund 880.000 Euro) für Luxusgüter aus, vor allem für teure Reisen, Autos, Kunst und Schmuck.                                                                                                   Quelle: Focus Online

Hawly Wolfgang

Ökonomie-Professor Otte sagt es deutlich: „Der klassische Sparer ist am Arsch“

Für Sparer sind die Zeiten hart: Sie wissen nicht, wie sie ihr Vermögen am besten anlegen sollen. Tages- und Festgeldkonten bieten längst keine Top-Zinsen mehr, im Gegenteil. Der Top-Ökonom und Fondsmanager Max Otte erklärt, was Sparer jetzt mit ihrem Vermögen machen sollten.

Erst vor wenigen Tagen wollten Deutschlands Privatbanken angesichts historisch niedriger Zinsen Strafzinsen auf Kundeneinlagen nicht grundsätzlich ausschließen. „Jedes einzelne Institut muss sich mit dem Thema auseinandersetzen“, sagte der Co-Chef der  Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB).

„Der Sparer ist am Arsch“

Für Sparer sind die Zeiten also hart: Sie wissen nicht, wo sie ihr Vermögen am besten anlegen sollen. Der Ökonom und Fondsmanager Max Otte sagt im Interview mit dem Fernsehsender n-tv: „Der klassische Sparer ist am Arsch“.

Er mache sich mehr „als je zuvor“ Sorgen um die Weltwirtschaft, denn „die Notenbanken sind mit ihrer Politik am Ende“, so Otte im Interview weiter. Das billige Geld wirke nicht mehr. „Sie greifen mittlerweile immer mehr zu zwangssozialistischen Maßnahmen, Strafzinsen und Ähnlichem.“ Nun rutsche Europa langsam in die Deflation.

Das rät der Experte

Unter all dem leide der klassische Sparer am meisten, sagt der Wirtschaftsprofessor zu n-tv: „Die Sparer haben unter Berücksichtigung der tatsächlichen Inflation und Zinsen nahe null Prozent, ein Minus von zwei bis drei Prozent bei der Kaufkraft.“ Dieselbe schleichende Enteignung laufe bei Lebensversicherungen, Spareinlagen und ähnlichen Modellen.

Der Fondmanager rät den Sparern, in globale Aktienfonds zu investieren, eine zusätzliche Absicherung böten Edelmetalle. Immobilien seien schon zu teuer, sagt Otte im Interview mit dem Fernsehsender, und die attraktiven meist ohnehin vom Markt. Von Immobilienkäufen auf dem Land rät er ab – dort sei keine Wertsteigerung zu erzielen.

Negativzinsen auf Spareinlagen?

Nicht alle Banken wollen sich bei möglichen Negativzinsen beteiligen. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, hatte vergangenes Wochenende Negativzinsen auf Spareinlagen bei den Sparkassen ausgeschlossen. Die Commerzbank hatte in der vergangenen Woche erklärt, Strafzinsen für ihre Privat- und Firmenkunden seien für die deutsche Nummer zwei kein Thema.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von Banken, die Geld bei ihr parken, 0,2 Prozent Zinsen. Die Deutsche Skatbank hatte für Aufregung gesorgt, weil sie dies seit November an Kunden weitergibt – allerdings nur bei Gesamteinlagen über drei Millionen Euro.

Quelle: Focus Online

Wolfgang Hawly

89 Filialen von Burger King müssen sofort geschlossen werden

Im Streit mit dem Filial-Betreiber Yi-Ko fährt Burger King einen harten Kurs. Nach der Kündigung des Franchisevertrags müssen 89 Filialen sofort geschlossen werden. Rund 3000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Burger King macht im Streit mit dem Filialbetreiber Yi-Ko Druck. Nachdem die Restaurantkette am Dienstag den Franchisevertrag mit der Yi-Ko Holding fristlos kündigte, fordert Burger King nun die sofortige Schließung der 89 betroffenen Restaurants.

„Aufgefordert, zu schließen“

„Am Dienstag, den 18. November 2014, wurde der Yi-Ko Holding die Kündigung des Franchisevertrages durch Burger King Europe übermittelt. Hierdurch ist die Yi-Ko ab sofort nicht länger befugt, die Restaurants als Burger King-Restaurants zu betreiben“, sagte eine Burger-King-Sprecherin auf FOCUS Online-Anfrage.

„Entscheidung fiel uns sehr schwer“

Yi-Ko muss die Filialen nun umfirmieren. De facto wird es aber zu Schließungen kommen. Das weiß auch das Burger King-Management.

„Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass dieser Entschluss einen negativen Einfluss auf die Mitarbeiter der von der Yi-Ko betriebenen Restaurants hat, weshalb uns diese Entscheidung sehr schwer fiel“, heißt es bei Burger King. „Deshalb werden wir in den nächsten Tagen hart daran arbeiten, diesen so gering wie möglich zu halten.“

3000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Von dem Aus für den größten deutschen Lizenznehmer der Fastfood-Kette sind rund 3000 Beschäftigten betroffen. „Das ist natürlich jetzt eine sehr schwierige Krise für dieses Unternehmen“, sagte Guido Zeitler, Referatsleiter für das Gastgewerbe bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir brauchen ganz schnell Klarheit, wie es mit den einzelnen Restaurants weitergeht, damit die Beschäftigten die Klarheit haben, bei wem sie morgen, übermorgen und überübermorgen noch arbeiten“, forderte Zeitler. Theoretisch sei es zwar denkbar, dass eine neue Burger-Kette gegründet werde – aber das sei nicht von heute auf morgen machbar. Zugleich liefen Kosten wie Pachten und Gehälter weiter.

Die NGG erwarte, dass Burger King den Beschäftigten zur Seite stehe. Es gebe seit gut eineinhalb Jahren massive Kritik an dem Franchise-Nehmer Yi-Ko, sagte Zeitler. Dieser habe unter anderem versucht, tarifvertragliche Standards zu senken oder zu missachten. Kranke Arbeitnehmer hätten zudem ihr Geld teils gar nicht oder erst verspätet erhalten: „Wir haben sehr viele arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen mit der Yi-Ko Holding geführt.“
Quelle: Focus Online

Hawly Wolfgang

Deutschland auf dem Weg zum Billiglohn-Land

Arbeit ist in Deutschland nicht billig – aber im EU-Vergleich wird sie immer günstiger. Vor allem Dienstleistungsberufe sind hierzulande mies bezahlt. Das hat Folgen für die ganze Volkswirtschaft.

28,70 Euro – diese Zahl zeigt, wie es um den deutschen Arbeitsmarkt steht. 28,70 Euro kostete im vergangenen Jahr eine Arbeitsstunde im privaten Dienstleistungssektor. Damit liegt Deutschland nur minimal über dem Euroraum-Durchschnitt von 28 Euro pro Stunde. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Die Untersuchung zeigt: Dienstleistungsberufe werden in Deutschland langsam aber sicher zu Billigjobs. Denn nicht nur das aktuelle Niveau ist moderat, die Arbeitskosten steigen auch kaum. 2013 legten sie nur um 0,3 Prozent zu. Das ist weniger als der ohnehin schwache Durchschnitt im Euroraum (0,7 Prozent) und der EU (ein Prozent).

Und das, obwohl sich die deutsche Wirtschaft seit Jahren viel stärker entwickelt als die der meisten anderen europäischen Länder.

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IMK Die Arbeitskosten setzen sich zusammen aus den Lohn- und Gehaltskosten sowie Lohnnebenkosten (bspw. Sozialabgaben)

Industrie zahlt gut

Etwas ausgeglichener ist die Lage, wenn man die Arbeitskosten über alle Branchen hinweg betrachtet. Eine Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft kostete 2013 in Deutschland laut IMK im Schnitt 31,30 Euro. Damit liegt die Bundesrepublik in Europa auf Rang acht.

Besonders gut bezahlt sind in Deutschland vor allem Beschäftigte in der Industrie. Im verarbeitenden Gewerbe liegen die Arbeitskosten mit 36,20 Euro pro Stunde weit über dem EU-Durschnitt. Höher sind sie nur in Belgien (42,70 Euro), Schweden (42,20 Euro) und Dänemark (40,90 Euro).

Im Euroraum werden im verarbeitenden Bewerbe im Schnitt 31,20 Euro je Arbeitsstunde fällig; in der gesamten EU sind es 24,70 Euro.

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Riesige Lohnlücke

Im Vergleich mit den Industriejobs springt das niedrige Lohnniveau im Dienstleistungssektor besonders ins Auge.

Die Arbeitskosten im Dienstleistungsbereich – also etwa für Friseure, Sekretärinnen oder bei Paketdiensten – liegen mittlerweile um 20 Prozent unter denen im verarbeitenden Gewerbe. In keinem anderen EU-Land ist die Lohnlücke größer.

Hintergrund:Die Arbeitskosten für Dienstleistungen steigen seit Jahren viel langsamer als die der Industrie.

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IMK Die Arbeitskosten setzen sich zusammen aus den Lohn- und Gehaltskosten sowie Lohnnebenkosten (bspw. Sozialabgaben)

Billiger produzieren

Neben den Arbeitskosten hat das IMK auch die Lohnstückkosten untersucht. Sie setzen die Arbeitskosten ins Verhältnis zur Entwicklung der Produktivität.

Auch hier zeigt sich Deutschland als äußert sparsam: Zwischen 2000 und 2013 wuchsen die Lohnstückkosten im Jahresmittel nur um 0,9 Prozent. Im Euroraum stiegen sie viel schneller, nämlich mit 1,7 Prozent pro Jahr.

Fazit

Der moderate Zuwachs bei Arbeits- und Lohnstückkosten hat eine positive und eine negative Folge.

Positiv: Die deutsche Wirtschaft wird international wettbewerbsfähiger, weil sie günstiger produzieren kann. Das sichert Arbeitsplätze.

Negativ: Die deutschen Arbeitnehmer müssen sich mit schmalen Lohnzuwächsen begnügen.

Für IMK-Chefökonom und FOCUS-Online-Experte Gustav Hornist die Sache klar: Seiner Ansicht nach ist dauerhaftes Wirtschaftswachstum nur gesichert, wenn die Löhne steigen und damit die Binnennachfrage angekurbelt wird. „Das unterstreicht einmal mehr, wie falsch es ist, sich einseitig auf möglichst niedrige Arbeitskosten zu fixieren“, sagt Horn.

Viele andere Ökonomen sehen das allerdings anders. Für sie zählt vor allem die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Quelle: Focus Online

Hawly Wolfgang

Angst vor der Rezession                                                                                                   Deutschland allein kann die Euro-Zone nicht retten

Unsere Wirtschaft wächst kaum noch, selbst die EU-Kommission sieht die Bundesrepublik „am Rand einer Rezession“. Doch was passiert? Die halbe Welt fordert, wir sollten neue Schulden machen, Frankreich durchschleppen – und so ganz Europa sanieren.

Eigentlich wissen es längst alle: Deutschland taugt nicht zum Retter Europas. Unser Land hat nicht die ökonomische Kraft dazu – es hatte sie nie. Selbst die neue EU-Kommission hat gerade erst festgestellt, dass die bundesdeutsche Wirtschaft stagniert oder sogar schrumpft. Damit geht es Deutschland zwar noch besser als dem großen Rest der Eurozone. Aber eben nicht wirklich gut. Und schon gar nicht so blendend, als dass unser Land die berühmte „Konjunkturlokomotive“ für den gesamten Kontinent spielen könnte.

EU-Kommissar Jyrki Katainen sorgt sich, dass gerade die beiden großen Volkswirtschaften Europas derzeit schlecht dastehen: Frankreich stecke bereits tief in der Krise und Deutschland sei auf dem besten Weg dahin – das Land befinde sich „am Rand einer Rezession“. Im zweiten Quartal dieses Jahres sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent, im dritten Quartal ist es mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent nur haarscharf an der Rezession vorbei geschrammt. Damit fällt Deutschland als Finanzier der reformunwilligen Not-Staaten rund ums Mittelmeer aus. Endgültig.

Ein Wackelkandidat als ökonomischer Retter?

Das Problem: Nicht jeder will die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen. Man muss sich die EU-Kommission daher wohl als eine Ansammlung gespaltener Persönlichkeiten vorstellen: Zum einen analysieren sie glasklar, dass Deutschland schwächelt wie schon lange nicht mehr; zum anderen fordern sie ebendiesen ökonomischen Wackelkandidaten unverdrossen dazu auf, endlich mehr Geld für den Rest Europas auszugeben.

Das gilt vor allem für Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker – besser bekannt als gerade überführter Steueroasen-Trickser. Der ehemalige Luxemburger Regierungschef will weiterhin unfassbare 300 Milliarden Euro in die überwiegend maroden Volkswirtschaften der Euro-Zone pumpen. Selbstverständlich aufKredit. Und ebenso selbstverständlich überwiegend finanziert von der (noch) stärksten Wirtschaftsmacht des Kontinents: Deutschland.

Unser Nebenjob-Wirtschaftsminister weiß es besser

Ausgerechnet ein maßgeblicher deutscher Politiker unterstützt Juncker – zumindest verbal: SPD-Boss Sigmar Gabriel, der im Nebenjob gerade Wirtschaftsminister lernt, hält Deutschland offenkundig immer noch für jenen unerschütterlichen ökonomischen Koloss, dem selbst die Milliardenverschwendereien der Großen Koalition nichts anhaben könnten. Und sich deshalb wohl auch noch die unsinnigsten EU-Programme leisten sollte.

Erst neulich auf dem „Arbeitgebertag“ schmetterte Gabriel die Bitte der deutschen Wirtschaft ab, die Politik möge sich doch wenigstens keine neuen teuren sozialpolitischen Wohltaten ausdenken. Die brüske Antwort des Wirtschaftsminister-Darstellers: Mit ihm werde keinen Kurswechsel in der Sozialpolitik geben, denn „Deutschland ist nach wie vor auf Wachstumskurs“. Schon klar. Wer sich die Realität derart zurechtbiegt, der glaubt wohl auch noch an das (leicht abgewandelte) Diktum Erich Honeckers: Das Wirtschaftswachstum in seinem Lauf, das halten weder Ochs noch Esel auf.

Hawly Wolfgang

Milliarden-Rechnungen unbezahlt                                                                         Blamage in Brüssel: EU steht kurz vor Notbudget

Es gibt keinen fristgerechten Kompromiss zum EU-Budget 2015. Wenn bis zu Jahrenbeginn immer noch keine Einigung gelingt, muss die Union mit Notbudgets über die Runden kommen. Auf den Schreibtischen der Kommission stapeln sich die unbezahlten Rechnungen.

Die Europäische Union hat immer noch keinen Haushalt für das kommende Jahr. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments scheiterten in der Nacht zum Dienstag mit dem Vorhaben, sich fristgerecht auf einen Kompromiss zum Milliarden-Budget zu einigen. Das berichtete das Europaparlament nach der rund siebenstündigen Verhandlung in Brüssel. Die Frist verstrich am Montagabend um Mitternacht.

Nun muss die EU-Kommission einen neuen Entwurf für den Haushalt 2015 vorlegen. Falls bis zum 1. Januar kein Kompromiss zu dem neuen Budgetvorschlag der Kommission gelingt, muss die EU 2015 mit Notbudgets arbeiten. Pro Monat stünde dann nur noch ein Zwölftel des Haushalts vom Vorjahr zur Verfügung. Für die Planung länger laufender Vorhaben seien solche Notbudgets wenig hilfreich, so die Diplomaten.

Positionen lagen sechs Milliarden Euro auseinander

Aus dem Haushalt werden unter anderem Hilfen für Landwirte oder arme Regionen in der Union gezahlt. Die Behörde hatte im Juni vorgeschlagen, die Ausgaben um knapp 5 Prozent auf insgesamt 142 Milliarden Euro zu steigern.

Schon am vergangenen Freitag waren die Budgetverhandlungen gescheitert. Die Europaabgeordneten fordern deutlich mehr Geld für das Budget, als die Staaten geben wollen. Die Positionen lagen um rund sechs Milliarden Euro auseinander. Heftig umstritten sind auch 4,7 Milliarden Euro zusätzlich für das laufende Jahr, um offene Rechnungen zu begleichen.

„Haben Wettlauf mit der Uhr verloren“

„Wir müssen eine konkrete Antwort auf das untragbare Problem haben, dass sich unbezahlte Rechnungen auf den Schreibtischen der Kommission stapeln“, sagte der Verhandlungsführer der Volksvertretung, Jean Arthuis von den Liberalen.

„Wir haben heute den Wettlauf mit der Uhr verloren“, resümierte der italienische Wirtschafts-Staatssekretär Enrico Zanetti, der für die Mitgliedstaaten die Verhandlungen führte, am frühen Dienstagmorgen. Die Meinungsverschiedenheiten hätten sich jedoch vermindert. Die Verhandlungen sollten auf der Basis des neuen Kommissionsvorschlags fortgesetzt werden.

Hawly Wolfgang

Jeder zweite Deutsche lässt sein Erspartes auf Girokonten verschimmeln !

Seit Generationen tragen die Deutschen ihr Erspartes zur Bank – so wie jetzt am Weltspartag. Doch mittlerweile grenzt das an reine Geldvernichtung.

So ändern sich die Zeiten: Früher hatte der Weltspartag vielerorts den Charakter einer kleinen Familienfestes: Mutter, Vater, Kinder liefen zur Bank. Der Nachwuchs trug seine Spardosen unter dem Arm. Stolz wurde das Geld aufs Sparbuch eingezahlt. Von den Bankangestellten gab es ein kleiner Geschenk – und das gute Gefühl, das Ersparte sicher uns gewinnbringend angelegt zu haben.

Heute verspürt kaum noch jemand Lust, zur Bank zu pilgern. Das Geld auf den Sparkonten ist zwar immer noch sicher, aber es vermehrt sich nicht mehr. Die Zinsen sind im Keller. Bei vielen Banken liegen sie nahe null. Die erste Bank verlangt nun sogar Zinsen von ihren Sparern, wenn diese ihr Geld dort anlegen.

Die deutschen Sparer lernen ein neues Wort: den „Negativzins“. Der Weltspartag ist zum landesweiten Geldvernichtungstag geworden.

Unermüdliche Sparer

Nichtsdestotrotz parken die Bürger ihr Geld unermüdlich auf erbärmlich verzinsten Konten. Nach Berechnungen des Kreditvermittlers Interhyp liegen momentan rund 970 Milliarden Euro auf Tagesgeld- und Girokonten.

Die dort erzielten Zinssätze – oft um die 0,5 Prozent und  weniger – gleichen nicht einmal die Inflation aus. Sie liegt derzeit bei 0,8  Prozent. „Das  klassische Sparschwein hat im jetzigen Zinsumfeld ausgedient“, sagt  Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender bei Interhyp.

Nach einer aktuellen Umfrage der Postbank sparen die Deutschen derzeit so:

Girokonto: 50 Prozent der deutschen Sparer

Bausparvertrag: 38 Prozent

Sparbuch: 31 Prozent

Lebensversicherung: 28 Prozent

Tagesgeldkonto: 26 Prozent

Festgeldkonto: 16 Prozent

Bargeld zuhause: 18 Prozent

Verändertes Sparverhalten

Angesichts der niedrigen Zinsen haben viele Deutsche ihr Sparverhalten bereits geändert. Nach Postbank -Erhebungen haben 16 Prozent das Sparen gänzlich aufgegeben, neun Prozent sparen zumindest weniger.

Trotzdem liegt die Sparquote in Deutschland noch bei stattlichen zehn Prozent des Einkommens. Die meisten Menschen wollen etwas zu Seite legen – wissen aber kaum noch, wie.

Die Antwort: Aktien

Die meisten Experten sind sich einig, dass es auf den Sparnotstand vor allem eine Antwort gibt: Aktien. Die Botschaft scheint bei den Bundesbürgern langsam anzukommen. Laut der Postbank-Umfrage steigen die Investition in Aktien und Fonds: Jeder Vierte legt demnach seine Ersparnisse in Wertpapiere an. 2011 und 2013 waren es nur 17 Prozent.

„An der Börse können Anleger im Durchschnitt höhere Erträge erwirtschaften als mit dem Sparbuch – müssen dafür allerdings Risiken in Kauf nehmen“, sagt Postbank-Chefanlagestratege  Marco Bargel.

Mit einigen Regeln lässt sich das Risiko einer Aktienanlage allerdings eindämmen. Entscheidend sind dabei zwei Faktoren: Anlagezeitraum und Streuung.

Faktor Zeit:Wer kurz vor der Rente in Aktien investiert, hat zum Antritt des Ruhestands womöglich Verluste verbucht – weil die Börsen gerade in den Keller gerauscht sind. Über längere Zeiträume erwirtschaften Aktienanleger dagegen meist Gewinne.

Faktor Streuung:Die Aktie einer einzelnen Firma zu kaufen ist für Privatanleger riskant. Meist können sie weder die Entwicklung der jeweiligen Branche einschätzen noch die Solidität des ausgewählten Unternehmens. Die Lösung sind Aktienfonds: Dabei fließt das Ersparte in eine Vielzahl von Unternehmen oder Länder. Verluste in einem Bereich werden oft durch gewinne in anderen Bereichen ausgeglichen.

Trotzdem: Riskanter als ein Sparkonto ist das Engagement an der Börse allemal. Unwahrscheinlich, dass die Deutschen den Weltspartag in Zukunft durch einen Weltaktientag ersetzen.

Quelle: Focus Online

Hawly Wolfgang

Das Riesen-Wörterbuch der Geldanlage

Abgeltungssteuer, Baby-Bond, Zertifikat: Die Finanzwelt hat ihre eigene Sprache – und lässt Anleger oft ratlos zurück.                                     Die wichtigsten Begriffe rund ums Thema Geld.

  • A

Abgeltungssteuer
Die Abgeltungssteuer wird auf Kapitalerträge erhoben. Sie beträgt 25 Prozent.

Aktie
Mit einer Aktie erwirbt man einen Anteil am Grundkapital eines Unternehmens (Aktiengesellschaft/AG). Der Aktionär ist Miteigentümer der entsprechenden Aktiengesellschaft. Aktien sind also eine Form der unternehmerischen Beteiligung. Sie werden an Börsen gehandelt.

Aktienfonds
Ein Investmentfonds, der sein Geld nur oder hauptsächlich in Aktien anlegt, wird als Aktienfonds bezeichnet

Anleihe
Anleihen sind Schuldverschreibungen. Sie werden meist von Staaten oder von Unternehmen herausgegeben, um Kapital zu beschaffen. Der Geldgeber kauft die Anleihe und erhält dafür Zinsen.

Ausgabeaufschlag (Agio)
Der Ausgabeaufschlag ist eine einmalige Gebühr. Sie wird beim Kauf von Fondsanteilen fällig.

  • B

Baby-Bonds
Diese Anleihen haben einen sehr geringen Nennwert. Sie richten sich an Kleinanleger, sind in Europa aber eher unüblich. In den USA werden Anleihen mit einem Wert von unter 100 Dollar oft als Baby-Bonds bezeichnet.

Baisse
Als Baisse bezeichnen Anleger eine anhaltende Flaute am Aktienmarkt. Sprich: Die Kurs fallen.

Basket-Zertifikate

Wertpapiere, die auf einem bestimmten Korb (Basket) von Finanzinstrumenten basieren. In der Regel bildet dieser Wertpapierkorb eine bestimmte Branche oder eine bestimmte Region ab.

Blue Chips
Englische Bezeichnung für die Aktien großer, etablierte Unternehmen. In Deutschland wird meist der Begriff Standardwerte benutzt.

Bonds
Anderes Wort für Anleihe.

Bundeswertpapiere
Anleihen, die von der Bundesrepublik Deutschland herausgegeben werden. Damit leiht sich der deutsche Staat Geld am Kapitalmarkt. Bundeswertpapiere gelten als besonders sicher. Das wichtigste Bundeswertpapier ist die zehn Jahre laufende Bundesanleihe, der sogenannte Bund.

  • C

Commercial Paper
Schuldverschreibung mit weniger als zwei Jahren Laufzeit.

Convertible Bond
Englisches Wort für Wandelanleihe (siehe W).

  • D

Dachfonds
Dachfonds investieren nicht direkt in Wertpapiere, sondern in andere Investmentfonds. Dadurch wird das Risiko noch weiter gestreut als bei einem normalen Investmentfonds.

Derivate
Wertpapiere, die von anderen Wertpapieren abgeleitet sind (Latein: derivare = ableiten). Die gängigsten Derivate sind Optionen, Zertifikate, Futures und Swaps (siehe die entsprechenden Lexikon-Einträge).

Devisen
Zahlungsmittel, die auf ausländische Währungen lauten. Zum Beispiel Bankguthaben oder Schecks. Ausländisches Bargeld wird nicht als Devisen bezeichnet, sondern als Sorten.

Dividende
Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird.

Dividendenrendite
Verhältnis von Dividende und Aktienkurs. Wichtige Kennzahl zur Bewertung von Aktien.

  • E

Einlagensicherung
System zur Sicherung der Sparguthaben bei Kreditinstituten. Die Einlagensicherung ist in Deutschland gesetzlich geregelt: Pro Person sind demnach 100 000 Euro zu 100 Prozent geschützt. Zusätzlich gibt es eine freiwillige Einlagensicherung des Bankenverbands. Sie garantiert mindestens 1,5 Millionen Euro pro Person.

ETF
Englische Abkürzung für „Exchange Traded Funds“. Dahinter verbirgt sich ein Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird. Anleger können Anteile an dem Fonds erwerben und werden so Miteigentümer.

Euribor
Zinssatz, den Banken in Europa verlangen, wenn sie untereinander Geldmarktgeschäfte (Laufzeit bis zu zwölf Monate) abwickeln. Die Abkürzung steht für „European Interbank Offered Rate“. Der Euribor ist ein wichtiger Referenz-Zinssatz, zum Beispiel für variabel verzinste Euro-Anleihen.

EZB
Abkürzung für die Europäische Zentralbank. Die Notenbank der Euro-Zone hat ihren Sitz in Frankfurt am Main.

  • F

Festverzinsliche Wertpapiere
Anleihen, die mit einem unveränderlichen Zinssatz verzinst werden. Vor allem Unternehmens- und Staatsanleihen fallen darunter.

Finanzagentur
Die Finanzagentur managt die Schulden und die Kreditaufnahme des Bundes. Sie ist zum Beispiel für die Ausgabe von Staatsanleihen zuständig, mittels derer der Bund neue Geld aufnimmt.

Freistellungsauftrag
Einen Freistellungsauftrag erteilen Anleger ihrer Bank. Damit werden ihre Kapitalerträge (z.B. Zinsgewinne) vom automatischen Abzug der Abgeltungssteuer freigestellt.

Fungibel
Ein Finanzprodukt ist fungibel, wenn es durch ein gleichwertiges anderes Finanzprodukt ersetzt oder ausgetauscht werden kann.

Future
Ein Future ist ein Termingeschäft. Es verpflichtet den Inhaber, eine bestimmte Menge eines bestimmten Gutes zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft zu kaufen oder zu liefern.

  • G

Geldmarkt
Teil des Finanzmarktes, auf dem kurzfristige Geschäfte getätigt werden. Am Geldmarkt werden in der Regel Kredite und Finanzinstrumente mit einer Laufzeit von maximal zwei Jahren gehandelt. Der Geldmarkt spielt eine wichtige Rolle bei für die kurzfristige Refinanzierung von Banken.

Geldmarktfonds
Investmentfonds, der vor allem oder ausschließlich in den Geldmarkt investiert, also zum Beispiel in kurzfristige Schuldverschreibungen.

Genussrechte
Recht auf Beteiligung am Gewinn eines Unternehmens.

Geschlossene Fonds
Bei solchen Fonds können Investoren nur über einem bestimmten Zeitraum Geld anlegen. Danach wird der Fonds geschlossen. Der Anleger kommt erst nach der vereinbarten Zeitspanne wieder an sein Geld. Geschlossenen Fonds werden zum Beispiel für die Finanzierung eines Immobilienprojektes aufgelegt.

  • H

Hausse
Boom-Phase an der Börse, bei der die Kurse anhaltend steigen (auch: Bullenmarkt).

High-Yield-Bonds
Anleihen, die zwar eine hohe Rendite versprechen, dafür aber auch ein großes Risiko beinhalten. Als Synonym wird auch der Begriff „Junk Bonds“ verwendet. Um nicht als High-Yield-Bonds zu gelten, müssen Anleihen ein Rating von mindestens BBB (Ratingagentur Standard&Poors) oder Baa (Ratingagentur Moodys) aufweisen.

  • I

Index-Zertifikate
Zertifikate, deren Wertentwicklung von einem Index – zum Beispiel einem Aktienindex – abhängt.

zum Thema

Inflation
Geldentwertung. Wenn Inflation herrscht, steigen die Preise von Gütern und Dienstleistungen – und zwar allgemein. Verbraucher bekommen dann weniger für ihr Geld. Die Europäische Zentralbank (EZB), die über die Geldwertstabilität in der Euro-Zone wacht, strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an.

Initial Public Offering (IPO)
Börsengang eines Unternehmens.

Investmentfonds
In der Regel ein offener Fonds, der dem Zweck der Geldanlage dient. Ein Investmentfonds sammelt Geld von Anlegern ein und investiert es in bestimmte Anlageklassen, zum Beispiel in Aktien, Anleihen oder Immobilien.

Investmentgrade
Ein Wertpapier mit Investmentgrade verfügt über ein Mindestrating der großen Ratingagenturen (Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch). Das heißt, es ist für Investitionen geeignet und nur mit relativ geringem Risiko behaftet.

ISIN
Kurzform von “International Securities Identification Number”. Mit der ISIN, einem zwölfstelligen Code aus Buchstaben und Zahlen, werden Wertpapiere gekennzeichnet.

  • J

Junk Bonds
Synonym für „High-Yield-Bonds“ (Schrott-Anleihen).

  • K

Kapitalerhöhung
Auf diesem Weg beschaffen sich Aktiengesellschaften (AGs) frisches Kapital. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für eine Kapitalerhöhung. Die gängigste ist es, neue Aktien an der Börse auszugeben. Dadurch verringert sich der Anteil der Altaktionäre an der AG – es sei denn, die Altaktionäre kaufen die neuen Aktien selbst.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Wichtige Kennzahl für die Aktienanalyse. Das KGV wird berechnet, indem man den aktuellen Börsenkurs durch den in den nächsten Jahren erwarteten Gewinn je Aktie teilt. Aktienstrategen sprechen dann zum Beispiel vom „2013er KGV“. Das KGV zeigt eigentlich, dem wievielfachen Jahresgewinn der Kaufpreis entspricht. Anleger nutzen diese Kennziffer, um zu beurteilen, ob eine Aktie relativ günstig (niedriges KGV) oder teuer (hohes KGV) ist.

Kurswert
Aktueller Preis eines Wertpapiers am Markt.

  • L

Leerverkäufe
Mit sogenannten Leerverkäufen können Wertpapierhändler auch bei fallenden Kursen Geld verdienen: Der Händler leiht sich ein Wertpapier, zum Beispiel eine Aktie, und verkauft sie an der Börse. Sinkt nun der Kurs, kann der Händler die Aktie zu einem günstigeren Preis zurückkaufen und dem Verleiher wie vereinbart zurückgeben. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis – abzüglich einer Gebühr für das Ausleihen der Aktie – ist der Gewinn.

Eine verschärfte Variante ist der ungedeckte Leerverkauf. Dabei verkauft ein Händler Papiere, die er sich noch nicht einmal geliehen hat. In der EU sind ungedeckte Leerverkäufe seit dem November 2012 verboten, weil die nach Ansicht vieler Kritiker zu irrationalen Kursschwankungen führen können.

Leverage
Englisch für „Hebelwirkung“. Damit ist gemeint, dass Anleger bei einer Investition neben ihrem Eigenkapital auch geliehenes Geld (Fremdkapital) einsetzen. Dadurch kann sich die Rendite deutlich erhöhen. Allerdings steigt auch das Risiko.

  • M

Marktkapitalisierung
Synonym für Börsenkapitalisierung: der Marktwert einer Aktiengesellschaft. Er ergibt sich aus dem aktuellen Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl der Aktien.

Mischfonds
Fonds, die in verschiedene Anlageklassen investieren (z.B. Aktien, Anleihen, Immobilien).

Mündelsicher
Geldanlagen, bei denen ein Wertverlust praktisch ausgeschlossen ist. Als mündelsicher gelten zum Beispiel deutsche Staatsanleihen oder Pfandbriefe.

  • N

Nennwert
Der Nominalwert eines Wertpapiers. Bei Anleihen ist das der Wert, den der Anleihe-Emittent dem Gläubiger am Fälligkeitstermin zurückzahlen muss. Bei Aktien gibt der Nennwert den Betrag an, mit dem der Aktieninhaber am Grundkapital einer AG beteiligt ist. Der Nennwert kann deutlich vom aktuellen Marktwert, dem sogenannten Kurswert, abweichen – weil sich zum Beispiel die Kreditwürdigkeit eines Schuldners verschlechtert hat und der Kurs der Anleihen gefallen ist.

Nullkuponanleihe
Bei diesen Anleihen erhält der Gläubiger keine regelmäßigen Zinszahlungen. Stattdessen wird der Zinsertrag am Ende der Laufzeit auf einen Schlag ausgezahlt.

  • O

Offener Fonds
Ein Investmentfonds, dessen Anteile frei handelbar sind. Anleger können jederzeit ein- und aussteigen. Das Gegenteil ist der geschlossene Fonds.

Option
Eine Option ist ein Termingeschäft, das dem Käufer das Recht – aber nicht die Pflicht – gibt, eine Sache zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. Optionen, die ein Kaufrecht verbriefen, heißen „Call-Optionen“. Solche, die das Recht zum Verkauf verschaffen, heißen „Put-Optionen“.

  • P

Performance
Die Wertentwicklung einer Geldanlage.

Pfandbrief
Eine Schuldverschreibung, die mit Immobilien besichert ist. Die Investition in Pfandbriefe ist meist relativ risikoarm.

zum Thema

Portfolio
Alle Wertpapiere und Investitionen eines Anlegers (auch: Depot).

Price-Earnings-Ratio
Englisch für Kurs-Gewinn-Verhältnis.

  • Q

Quellensteuer
Steuer, die auf Kapitalerträge erhoben und direkt – also an der Quelle – abgezogen wird.

  • R

Rating
Ein Rating ist eine Note für die Kreditwürdigkeit eines Schuldners. Schuldner mit schlechtem Rating müssen für Kredite in der Regel hohe Zinsen zahlen, weil die Geldgeber ein hohes Risiko eingehen.

Rating-Agentur
Unternehmen, die Ratings vergeben. Der weltweite Ratingmarkt wird von drei großen Agenturen dominiert: Standard & Poor‘s, Moody’s und Fitch.

Real Estate
Englischer Begriff für Immobilien.

REIT
Englische Abkürzung für „Real Estate Investment Trust“ – also einen Fonds, der in Immobilien investiert.

Rendite
Gewinn einer Geldanlage. Wird meistens für ein Jahr berechnet.

Rentenfonds
Rentenfonds haben zunächst nichts mit Altersvorsorge zu tun. Es handelt sich um Investmentfonds, die vor allem in Anleihen investieren. Der Begriff „Renten“ ist ein Synonym für Anleihen.

Risikolebensversicherung
Absicherung für den Todesfall. Wird beim Tod des Versicherten an die Hinterbliebenen ausbezahlt.

  • S

Schrottanleihen
Hochriskante Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit sehr geringer Kreditwürdigkeit (auch: Junk Bonds).

Small Caps
Aktien von kleinen Unternehmen mit geringer Börsenkapitalisierung.

Sorten
Bargeld ausländischer Währungen (Banknoten und Münzen).

Spekulation
Investition ohne langfristiges Interesse. Der Spekulant kauft Wertpapiere, um sie möglichst gewinnbringend wieder zu verkaufen. Meistens hält er die Papiere nur für einen kurzen Zeitraum.

Stammaktien
Aktien eines Unternehmens, die volles Stimmrecht bei der Hauptversammlung garantieren.

Standardwerte
Aktien eines sehr großen Unternehmens (auch: Blue Chips). In Deutschland gelten die Papiere der 30 Dax-Konzerne als Standardwerte.

Swap
Englisch für „Tausch“. Ein Swap-Geschäft ist also ein Tausch Geschäft, das es in den verschiedensten Varianten gibt. Häufig sind Zins-Swaps. Dabei tauschen die Vertragspartner die Zinszahlungsverpflichtungen oder Zinseinkünfte für bestehende Kredite. Ziel ist es, einen Zins- oder Renditevorteil zu erlangen.

  • T

Tender
Die Refinanzierungsgeschäfte der EZB, durch die sie die Banken mit Geld versorgt.

TER
Abkürzung für Total Expense Ratio. Diese Kennzahl umfasst sämtliche Kosten, die pro Jahr bei einem Investmentfonds anfallen, wie zum Beispiel Verwaltungskosten.

Thesaurierung
Erträge aus einem Finanzprodukt werden direkt wieder investiert und nicht an die Anteilseigner ausgeschüttet. Zum Beispiel werden mit Gewinnen aus Fonds sofort neue Fondsanteile gekauft.

  • U

Ungedeckter Leerverkauf
Besondere Form des Leerverkaufs. Dabei hat sich der Händler, der ein Wertpapier verkauft, dieses noch nicht einmal geliehen. Das muss er bis zur Fälligkeit des Geschäfts nachholen. Ungedeckte Leerverkäufe können zu hohen Kursausschlägen führen. In Deutschland sind sie für Aktien und bestimmte Anleihen seit 2010 verboten.

  • V

Valuta
Synonym für„Wertstellung“: Der Termin, ab dem für eine Gutschrift oder eine Belastung auf einem Konto Zinsen fällig werden.

Volatilität
Schwankung der Kurse von Wertpapieren oder Börsenindizes. Hohe Volatilität bedeutet hohe Kursausschläge – nach oben oder nach unten. Herrscht an den Finanzmärkten Panik, ist die Volatilität meisten hoch. In Deutschland misst der V-Dax ist Volatilität. Er ist damit ein Indikator für die Nervosität der Anleger.

Vorzugsaktien
Aktien eines Unternehmens, die dem Inhaber ein bestimmtes Vorrecht einräumen. Der häufigste Fall ist die Vorzugsaktie, bei der die Aktionäre auf ihr Stimmrecht verzichten, dafür aber bei der Dividendenzahlung bevorzugt werden.

  • W

Wandelanleihe
Anleihe, die von einer Aktiengesellschaft ausgegeben wird. Sie umfasst das Recht (manchmal auch die Pflicht), die Anleihe zu einem vorab festgelegten Verhältnis in Aktien des Unternehmens umzuwandeln. Eine solche Umwandlung ist de facto eine Kapitalerhöhung.

Währungsanleihe
Anleihe, die in einer fremden Währung zurückgezahlt wird.

Wertstellung
Synonym für „Valuta“: Der Termin, ab dem für eine Gutschrift oder eine Belastung auf einem Konto Zinsen fällig werden.

  • X

Xetra
Elektronisches Handelssystem der Deutschen Börse AG.

Xetra-Dax
Der Stand des deutschen Börsen-Leitindexes Dax im elektronischen Xetra-Handel.

Xetra-Gold
Eine Schuldverschreibung, die die Lieferung einer bestimmten Menge Gold garantiert. Xetra-Gold wird an der Börse gehandelt. Es ist zu 95 Prozent durch physisches Gold gedeckt und zu fünf Prozent durch Lieferansprüche an den Rohstoffkonzern Umicore.

  • Y

Yankee Bonds
Anleihen, die in den USA begeben werden und auf US-Dollar lauten – allerdings von einem Emittenten, der nicht in den USA ansässig ist.

Yen
Die Währung Japans.

Yuan
Die Einheit der chinesischen Währung Renminbi.

  • Z

Zeichnung
Der verbindliche Kauf eines Wertpapiers.

Zerobonds
Diese Anleihen (Bonds) bieten keine laufende Verzinsung. Stattdessen erhält der Käufer nach Ende der Laufzeit eine Einmalzahlung, die höher liegt, als der ursprüngliche Kaufpreis. Die Differenz ist die Verzinsung.

Zertifikat
Ein Zertifikat ist ein Derivat – also ein Finanzprodukt, das von einem Basiswert abgeleitet ist. Juristisch betrachtet ist ein Zertifikat zwar eine Schuldverschreibung. Im Gegensatz zu einer klassischen Schuldverschreibung bietet es aber keine feste Verzinsung. Sein Wert richtet sich nach der Kursentwicklung des entsprechenden Basiswertes, zum Beispiel einem Aktienindex.

Hawly Wolfgang

Hawly Wolfgang

Experte Walter Krämer zur Eurokrise„Deutschland haftet jetzt schon mit mehr als 500 Milliarden Euro“

Schuldenmacherei, brisante Bürgschaften und Minizins sind die Zutaten für den Giftcocktail namens Enteignung. Von dem trinkt zurzeit vor allem der Sparer. Statistik-Professor Walter Krämer rechnet im Interview mit der Euro-Rettungspolitk ab. FOCUS-MONEY zeigt Anlegern zusätzlich, wie sie ihr Vermögen schützen und dem Kaufkraftverlust trotzen. Die Zauberformel lautet: Gold und Aktien.

 Walter Krämer:Der Statistik-Professor ist Mitinitiator des Ökonomen-Aufrufs 2012. Insgesamt beteiligten sich 283 Ökonomen an der Protestnote zur Euro-Rettungspolitik
 FOCUS-MONEY:Ihrer Ansicht nach hat sich Deutschland im Zuge der Euro-Rettungspolitik erpressbar gemacht. Wie das?Walter Krämer:Durch unsere Bürgschaften und unbesicherten Kredite an die Krisenstaaten. Deutschland haftet mit mehr als 500 Milliarden Euro, falls Problemstaaten ausfallen. Diese Drohung steht immer unausgesprochen im Raum.

Enteignung, Vermögen, Aktie, Staatsbankrott, Gläubiger, Staatsverschuldung, Tagesgeldkonto, Griechenland

Ifo-InstitutHohe Haftung: Deutschland haftet mit mehr als 500 Milliarden Euro, falls Problemstaaten ausfallen. Laut Walter Krämer eine einzige „Erpressungsfalle“.

Natürlich würde dies kein südeuropäischer Staatschef oder Ministerpräsident offen sagen, aber letztlich lässt es sich auf die Aussage reduzieren: Wenn ihr Deutschen nicht weiter das macht, was wir wollen, nämlich unser Dolce Vita weiterführen, dann erklären wir den Staatsbankrott und ihr seid euer Geld los. Ich nenne das die „heiße Enteignung“. Das ist eine perfekte Erpressungsfalle, in die sich Deutschland selbst hineinmanövriert hat.

„Gelder, die verloren sind, müssen auch als verloren angesehen werden. Das wird momentan vertuscht“

MONEY: Und was ist mit der „kalten“ Enteignung?

Krämer:Die kommt unter anderem dadurch zu Stande, dass die deutschen Exportgüter zum Teil mit Krediten bezahlt werden, die die Importeure direkt oder indirekt ebenfalls in Deutschland aufgenommen haben. Nicht bei den Exporteuren, die sind ja nicht umsonst die großen Euro-Freunde, sondern bei den Sparern und den Steuerzahlern. Und wenn die dann später in Rente gehen, sind die Gelder großteils nicht mehr da. MONEY:Wie hoch sind denn die deutschen Forderungen an das Ausland überhaupt?

Krämer:Das sind inzwischenbruttosechs Billionen Euro, mehr als das Doppelte des jährlichen Sozialprodukts. Und davon werden die Gläubiger einen guten Teil nie wiedersehen. Zum Beispiel wird Griechenland niemals in der Lage sein, seine riesigen Staatsschulden aus eigenen Kräften abzubauen.

 MONEY: Dabei hellt sich die Lage derzeit doch auf. Griechenland erreichte zu Anfang des laufenden Jahres nahezu einen Primärüberschuss, und in Spanien wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr. Klingt doch hervorragend, oder etwa nicht?Krämer: Das ist in der Tat ein Schritt in die richtige Richtung, aber der reicht längst nicht aus. Bisher sind die relativen Preise in den Krisenländern nur um vielleicht vier Prozent gesunken. Im Fall von Spanien oder Portugal wäre eine Reduktion um fast 20 Prozent notwendig, im Fall von Griechenland um bis zu 30 Prozent. Solange das nicht geschieht, sind diese Länder international nicht wettbewerbsfähig. Und innerhalb des Euro wird dies nicht geschehen.