{"id":463,"date":"2014-12-17T20:22:30","date_gmt":"2014-12-17T18:22:30","guid":{"rendered":"http:\/\/haup.eu\/?p=463"},"modified":"2014-12-18T11:06:38","modified_gmt":"2014-12-18T09:06:38","slug":"wolfgang-hawly-56","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/haup.eu\/?p=463","title":{"rendered":"Wolfgang Hawly"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"title\">8 gute Gr\u00fcnde, genau jetzt aus Deutschland auszuwandern<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist Adventszeit, und in Deutschland fliegen die Fetzen.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.de\/2014\/12\/15\/pegida-urteil_n_6326304.html\" target=\"_hplink\">Pegida-Demos haben eine gro\u00dfe Debatte dar\u00fcber ausgel\u00f6st, wie tolerant Deutschland tats\u00e4chlich ist<\/a>. Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass die gesellschaftlichen Risse ganz offen zutage treten.<\/p>\n<p>Die Bundesrepublik ist im Dezember 2014 ein zutiefst gespaltenes Land. Manche wundern sich dar\u00fcber. Andere denken daran, die Koffer zu packen.<\/p>\n<p>Nicht nur die Zahl der Zuwanderer erreicht immer neue H\u00f6hen, auch die Zahl der Auswanderer: Im Jahr 2013 <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/76972\/umfrage\/zahl-der-auswanderer-aus-deutschland\/\" target=\"_hplink\">verlie\u00dfen 789.000 Menschen Deutschland<\/a>, so viele wie seit 21 Jahren nicht mehr. Darunter sind viele Ausl\u00e4nder, die zur\u00fcck in ihre Heimat gingen. Aber auch mehr als 130.000 deutsche Staatsb\u00fcrger.<\/p>\n<p>Die Huffington Post nennt acht gute Gr\u00fcnde, genau jetzt aus Deutschland fortzuziehen.<\/p>\n<p><strong>1. Das Meinungsklima in Deutschland radikalisiert sich<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2014 gab es auffallend viele hitzig gef\u00fchrte Debatten. Angefangen bei der Diskussion um die Maidan-Proteste bis hin zum Streit um Pegida. Dabei werden oft genug Grenzen verletzt. Etwa, wenn eine Reporterin in Dresden von Pegida-Demonstranten <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/pegida-demo-in-dresden-was-eine-reporterin-erlebte-2160572.html?utm_source=facebook-fanpage&amp;utm_medium=link&amp;utm_campaign=171214-1040\" target=\"_hplink\">als \u201elinksintellektuelle Prostituierte\u201c beschimpft wird<\/a> oder sich Journalisten nach kritischen Berichten mit Morddrohungen konfrontiert sehen.<\/p>\n<p>Das alles ist keine Mediendiskussion. Es ist vielleicht nur das sichtbarste Zeichen daf\u00fcr, dass sich gesellschaftliche Milieus voneinander entfremden. Wir reden nicht mehr miteinander, wir schreien uns an. Und das hat nur bedingt was mit dem \u201eInternet\u201c zu tun. Daf\u00fcr sind vor allem soziale Ursachen verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>2. Deutschland fehlt es an Optimismus<\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel fehlt es Deutschland derzeit an gesellschaftlichem Optimismus. Es mag sein, dass die Mehrheit der Menschen f\u00fcr das kommende Jahr im Privaten zuversichtlich ist. Wohin dieses Land aber steuert, wei\u00df derzeit niemand so recht.<\/p>\n<p>Auf politischer Ebene <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.de\/2014\/08\/08\/merkel-beliebt_n_5661373.html\" target=\"_hplink\">hat das damit zu tun, dass die CDU als gr\u00f6\u00dfte Regierungspartei v\u00f6llig ausgebrannt ist<\/a>. Den Christdemokraten <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.de\/2014\/12\/09\/spahn-linnemann-ziemiak-zukunft-cdu_n_6292954.html?utm_hp_ref=cdu\" target=\"_hplink\">mangelt es nach neun Regierungsjahren an neuen Ideen und nicht zuletzt an einer Vision f\u00fcr die Zukunft dieses Landes<\/a>. Da war Gerhard Schr\u00f6der mit seiner Agenda-Politik vor zehn Jahren weiter.<\/p>\n<p>Angela Merkels Nicht-Wahlk\u00e4mpfe in den Jahren 2009 und 2013 haben dazu beigetragen, dass auch keine Diskussion um neue Konzepte aufkommen konnte. Wir reden nicht dar\u00fcber, wie eine echte Integrationspolitik aussehen k\u00f6nnte. Wir haben keine Ahnung, wie sich Deutschland au\u00dfenpolitisch verorten k\u00f6nnte. Und wir schlie\u00dfen so lange die Augen vor der drohenden Rentenkatastrophe, bis sie wirklich passiert.<\/p>\n<p>Die Union ist derzeit das Bayern M\u00fcnchen der deutschen Politik. So lange der Erfolg stimmt, jubeln auch die Fans.<\/p>\n<p>Das Bedauerliche dabei ist, dass in diesem anti-innovativen Klima selbst jene Projekte scheitern, die tats\u00e4chlich dazu geeignet w\u00e4ren, Impulse zu geben. Zum Beispiel die Energiewende, Deutschlands gr\u00f6\u00dftes Zukunftsprojekt, das derzeit am Kleingeist von Union und SPD zu verk\u00fcmmern droht.<\/p>\n<p><strong>3. Sicherheit ist den Deutschen wichtiger als das Wagnis<\/strong><\/p>\n<p>Im Sommer hatte eine Umfrage ergeben, dass sich junge Deutsche nichts sehnlicher W\u00fcnschen, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/deutschlands-studenten-wollen-in-den-staatsdienst-13021446.html\" target=\"_hplink\">als in den Staatsdienst zu kommen.<\/a> Der \u00f6ffentliche Dienst ist mittlerweile mit Abstand der beliebteste Arbeitgeber. Er verspricht Sicherheit in Form von Sozialleistungen, K\u00fcndigungsschutz und Pensionen und steht damit im Wettbewerb mit den immer unsicherer werdenden Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen in der \u201efreien Wirtschaft\u201c gut da.<\/p>\n<p>Doch auch die fr\u00fcheren \u201eTraumberufe\u201c, in denen sich Menschen selbstverwirklichen konnten, verlieren gegen\u00fcber dem Staatsdienst an Bedeutung. In Deutschland wollen die jungen Leute eben derzeit lieber verbeamtet werden, als die Welt durch ihre Kunst oder ihre unternehmerische Schaffenskraft zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Ganz zu schweigen von der Wissenschaft. Dort ist ein ganzer Apparat derzeit damit besch\u00e4ftigt, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/karriere\/wissenschaft-karriere-ins-ungewisse-doktortitel-und-dann-1.1029542\" target=\"_hplink\">die besten jungen Talente zu vergraulen.<\/a> Wer Ideen hat, verwirklich sie besser im Ausland.<\/p>\n<p><strong>4. Das Sicherheitsbed\u00fcrfnis spricht f\u00fcr tief sitzende \u00c4ngste<\/strong><\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass die sichere Pension vielen jungen Leuten heute wichtiger ist als die M\u00f6glichkeit zur Selbstverwirklichung. Dahinter steckt eine grunds\u00e4tzliche Zukunftsangst.<\/p>\n<p>Vielen jungen Deutschen ist unklar, wovon sie einst im Alter ihren Lebensunterhalt bezahlen sollen. Auch die Reall\u00f6hne stagnieren seit mehr als 15 Jahren. Wer heute 35 ist, <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article106488965\/Deutsche-sehen-duestere-Zukunft-fuer-ihre-Kinder.html\" target=\"_hplink\">hat mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit niemals eine Zeit miterlebt, in der die meisten Menschen davon \u00fcberzeugt waren, dass es den eigenen Kindern einmal besser gehen wird.<\/a><\/p>\n<p>Leider tut die Politik zu wenig, um diese \u00c4ngste aufzufangen. Und beginnen sie umgekehrt, die Politik zu dominieren.<\/p>\n<p><strong>5. Der wachsende Antisemitismus ist unertr\u00e4glich<\/strong><\/p>\n<p>Im Sommer, bei den Protesten gegen den Krieg in Gaza, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/antisemitismus-debatte-in-der-linken-offener-hass-tiefe-scham-1.2056864\" target=\"_hplink\">zeigte sich der neue Antisemitismus in Deutschland ganz offen und unverstellt.<\/a><\/p>\n<p>Die berechtigte Kritik an der Politik Israels glitt viel zu h\u00e4ufig in eine pauschale Diffamierung \u201eder Israelis\u201c oder \u201eder Juden\u201c ab. Die Beschimpfung als \u201eKinderm\u00f6rder\u201c war da noch eine der harmloseren Varianten. Ein gr\u00fcner Bundestagsabgeordneter wurde <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/israel-angriffe-demonstrationen-100.html\" target=\"_hplink\">auf einer Pro-Israel-Demo in Hannover sogar t\u00e4tlich angegriffen<\/a>.<\/p>\n<p>Es ist kein gutes Zeichen, dass j\u00fcdische Deutsche <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/zeit-magazin\/2014\/50\/antisemitismus-deutschland-mirna-funk\" target=\"_hplink\">auch deshalb ans Auswandern denken.<\/a><br \/>\n<strong>6. Der um sich greifende Islamhass auch<\/strong><\/p>\n<p>Es ist unfassbar, wie popul\u00e4r es wieder in Deutschland geworden ist, die Angeh\u00f6rigen einer Religionsgruppe pauschal in Misskredit zu bringen.<\/p>\n<p>Obwohl etwa vier Millionen Menschen in Deutschland muslimischen Glaubens sind,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/mehrheit-sieht-islam-nicht-als-teil-deutschlands-a-984708.html\" target=\"_hplink\">glauben mehr als 50 Prozent der Bev\u00f6lkerung, dass der Islam nicht zu Deutschland<\/a>\u00a0geh\u00f6rt. Insgesamt 49 Prozent<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2014-12\/islam-pegida-fluechtlinge-deutschland-umfrage\" target=\"_hplink\"> f\u00fcrchten sich mehr oder weniger vor der \u201eIslamisierung des Abendlandes\u201c<\/a> und ebenso viele sehen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2013-04\/islam-bedrohung-studie\" target=\"_hplink\">den Islam als Bedrohung.<\/a><\/p>\n<p>Dass sich viele Millionen Deutsche nun pauschal auf eine Religion einschie\u00dfen, weckt dunkle Erinnerungen. Wom\u00f6glich ist Deutschland vielleicht doch kein so weltoffenes Land, wie alle noch 2006 nach dem \u201eSommerm\u00e4rchen\u201c w\u00e4hrend der Fu\u00dfball-WM glaubten.<\/p>\n<p>Viele junge T\u00fcrken haben das verstanden. Sie verlassen Deutschland. Meist sind es die mit der besten Ausbildung.<\/p>\n<p><strong>7. Angst ist die st\u00e4rkste Konstante in der Politik, nicht Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Seit Jahren schliddert Deutschland scheinbar von Krise zu Krise. Und selbst dann, wenn es der Wirtschaft des Landes relativ gut geht, ist von der \u201eKrise\u201c um Deutschland herum die Rede. So wird im Jahr 2014 Politik verkauft. Und so werden Entscheidungen als \u201ealternativlos\u201c vermarktet.<\/p>\n<p>Angela Merkel ist auch deshalb so beliebt, weil sie vielen Deutschen als ideale Krisenbek\u00e4mpferin erscheint. Als Rettung in der Not, als Anker in brausenden Meer. Dass die Hoffnung auf eine bessere Zukunft die st\u00e4rkste Triebfeder f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderung ist, scheinen viele Deutsche l\u00e4ngst vergessen zu haben.<\/p>\n<p><strong>8. Deutschland m\u00fcffelt<\/strong><\/p>\n<p>Erinnert sich noch jemand <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/04\/deutsche-gegenwartsliteratur-brav-konformistisch\" target=\"_hplink\">an die Debatte um schreibende Arzts\u00f6hne<\/a>, die Anfang des Jahres Schlagzeilen machte? Es ging damals um die Frage, ob Deutschlands Gegenwartsliteratur deshalb so langweilig ist, weil sie oftmals von Akademikerkindern gestaltet wird.<\/p>\n<p>Es wurde viel gestritten: Etwa dar\u00fcber, ob es \u00fcberhaupt wichtig sei, welche soziale Herkunft ein Autor hat und welche Rolle dabei der Migrationshintergrund spielt. Seltener wurde der Feststellung widersprochen, dass die deutsche Gegenwartsliteratur langweilig sei.<\/p>\n<p>Die beliebteste Musikrichtung derzeit? Schlager. Die beliebtesten Filme? Fantasy-Schinken, die ihre Zuseher in eine fremde, magische Welt entf\u00fchren. Der kreuzbiedere Krimi ist der letzte gemeinsame Nenner in Sachen Fernsehen. Und wenn ein Tatort zu avantgardistisch ger\u00e4t, wird er von der Community verspottet.<\/p>\n<p>Der deutsche Zeitgeist im Jahr 2014 ist so aufregend wie ein Klinkerhaus in Gro\u00dfburgwedel. Und wenn er eine Gestalt h\u00e4tte, dann genau diese.<\/p>\n<p>Es gibt viele Anzeichen daf\u00fcr, dass die jungen Erwachsenen von heute der ersten Generation seit gut einem halben Jahrhundert angeh\u00f6ren werden, <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.de\/2014\/10\/27\/generation-y-rebellieren-kinder_n_6053972.html\" target=\"_hplink\">gegen die es sich einst wieder zu rebellieren lohnt<\/a>.<\/p>\n<p>Bis es soweit ist, gibt es eine Alternative: auswandern.<\/p>\n<p>Quelle. Huffington Post<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8 gute Gr\u00fcnde, genau jetzt aus Deutschland auszuwandern &nbsp; Es ist Adventszeit, und in Deutschland fliegen die Fetzen. Die Pegida-Demos haben eine gro\u00dfe Debatte dar\u00fcber ausgel\u00f6st, wie tolerant Deutschland tats\u00e4chlich ist. Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass die gesellschaftlichen Risse ganz offen zutage treten. 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