{"id":137,"date":"2014-10-05T23:31:25","date_gmt":"2014-10-05T21:31:25","guid":{"rendered":"http:\/\/haup.eu\/?p=137"},"modified":"2014-12-16T13:18:22","modified_gmt":"2014-12-16T11:18:22","slug":"wolfgang-hawly-medien-bestimmen-die-weltsicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/haup.eu\/?p=137","title":{"rendered":"Wolfgang Hawly:  Medien bestimmen die Weltsicht"},"content":{"rendered":"<p>Denkschablonen statt Ergebnis offener Debatten \u2013 das hat viel mit den Medien zu tun. Schlie\u00dflich fallen die Vorstellungen davon, was gut und richtig ist, nicht einfach vom Himmel.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Der Medientheoretiker Norbert Bolz spricht Klartext: \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Seit Jahrzehnten dominierten die Linksintellektuellen den Diskurs, sie h\u00e4tten \u201edas ausgepr\u00e4gt, was wir Political Correctness nennen\u201c. Daher gebe es nicht nur in der Welt der Kultur, sondern vor allem in den Massenmedien \u2013 auch im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk \u2013 einen \u201emassiven, linksgepr\u00e4gten Diskurs\u201c.<\/p>\n<p>In einer Welt, in der die Menschen durchschnittlich mehr als sieben Stunden pro Tag mit Medienkonsum verbringen, kann das nicht ohne Folgen bleiben. Zumal sich viele Medienmacher nicht mit der Rolle des blo\u00dfen Berichterstatters zufrieden geben wollen. \u201eMassenmedien sind nicht nur ein Forum der politischen Auseinandersetzung oder ein Mittler zwischen den Fronten; die Medienorganisationen sind selbst Akteure, die auf der Basis ihrer zentralen Funktion in der politischen Kommunikation mit anderen Akteuren \u2013 Parteien, Verb\u00e4nden, staatlichen Instanzen \u2013 um politischen Einfluss ringen\u201c, hei\u00dft es beispielsweise auf der Website der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung.<\/p>\n<p>Journalisten selbst sehen sich gern in einer W\u00e4chterrolle, die sie unabh\u00e4ngig, objektiv und nur der Wahrheit verpflichtet ausf\u00fcllen. Bei n\u00e4herem Hinsehen bekommt das hehre Bild freilich Kratzer. So f\u00f6rderte eine repr\u00e4sentative Befragung von Journalisten nach ihren politischen Vorlieben Eindeutiges zu Tage: Rund 35 Prozent der Medienmacher sympathisieren mit den Gr\u00fcnen, 25 Prozent favorisieren die SPD. Der Union sahen sich dagegen gerade mal 7,6 Prozent verbunden. Nun haben sicher auch Journalisten das Recht auf eine eigene Meinung. Aber es w\u00e4re naiv zu glauben, dass sich ihre Vorlieben und Abneigungen nicht in der t\u00e4glichen Arbeit spiegeln und auswirken w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Laut dem Medienwissenschaftler Hans Martin Kepplinger billigen denn auch fast die H\u00e4lfte aller Journalisten das \u201ebewusste Hochspielen von Informationen, die ihre eigene Sichtweise st\u00fctzen\u201c. Beispiel Fukushima: Nach der Katastrophe fehlte es nicht an Darstellungen der Gef\u00e4hrlichkeit von Reaktorunf\u00e4llen, in Sondersendungen warnten mehr oder weniger seri\u00f6se Experten vor den Folgen radioaktiver Strahlung. Dass Erdbeben und Tsunamis, die in Japan erst das Atomdesaster ausgel\u00f6st hatten, hierzulande eher selten vorkommen, wurde dagegen nicht erw\u00e4hnt. Kepplinger: \u201eDadurch erschien Fukushima nicht als Folge regionaler Besonderheiten, sondern als Beleg f\u00fcr das generelle Risiko der Kernenergie.\u201c Was nicht in ihr Weltbild passe, werde von Journalisten dagegen gern heruntergespielt. So sei etwa die Schadstoffbelastung von Bio-Eiern schnell aus den Medien verschwunden, und auch die Gefahr durch Solaranlagen bei Br\u00e4nden werde kaum thematisiert.<\/p>\n<h2>Gut vs. gut gemeint<\/h2>\n<p><span class=\"kka_p\">Wo die gute Absicht wichtiger ist als die ergebnisorientierte L\u00f6sung, treibt die Sprachregulierung seltsame, zuweilen auch bizarre Bl\u00fcten. Da darf Pippi Langstrumpf ihren Vater nicht mehr \u201eNegerk\u00f6nig\u201c nennen, wie sie das jahrzehntelang getan hat, sondern muss vom \u201eS\u00fcdseek\u00f6nig\u201c sprechen. Zu gro\u00df war f\u00fcr den Verlag offensichtlich die Angst vor Rassismusvorw\u00fcrfen; da musste der\u00a0<\/span><a title=\"Ottfried Preu\u00dflers \u201eKleine Hexe\u201c: Verlag streicht \u201eNeger\u201c und \u201eZigeuner\u201c aus Kinderbuch\" href=\"http:\/\/www.focus.de\/kultur\/buecher\/ottfried-preusslers-kleine-hexe-verlag-streicht-neger-und-zigeuner-aus-kinderbuch_aid_892351.html\">Kinderbuch-Klassiker<\/a>\u00a0<span class=\"kka_p\">eilig an die Sprachentwicklung angepasst werden. \u00c4hnlichen \u201eS\u00e4uberungsaktionen\u201c fielen schon die \u201eZehn kleinen Negerlein\u201c von Agatha Christie zum Opfer, die hierzulande nur noch unter dem Titel \u201eUnd dann gabs keines mehr\u201c erscheinen d\u00fcrfen. Auch der Comic \u201eTim und Struppi im Kongo\u201c geriet wegen angeblich kolonialistischer Tendenzen unter Rassismusverdacht, ebenso der \u201eStruwwelpeter\u201c, weil dort vom \u201eMohrenkind\u201c die Rede ist.<\/span><\/p>\n<p>Zuweilen st\u00f6\u00dft die Sprachbereinigung sogar bei den Betroffenen selbst auf Unverst\u00e4ndnis. Weil l\u00e4ngst nicht alle \u201eZigeuner\u201c zu den St\u00e4mmen der Sinti und Roma geh\u00f6ren, legen beispielsweise in Rum\u00e4nien viele Angeh\u00f6rige dieser Volksgruppe gro\u00dfen Wert darauf, Zigeuner zu sein.<\/p>\n<div class=\"tft_ads tft_ads_area_promobox\">\n<div id=\"lad416713\">Und die allgegenw\u00e4rtige Korrektheit macht selbst vor der Heiligen Schrift nicht halt. Ein Kreis aus Theologen und Sprachwissenschaftlern pr\u00e4sentierte vor einiger Zeit nach mehrj\u00e4hriger Arbeit die \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c. In dieser Neu\u00fcbersetzung der Texte aus dem Hebr\u00e4ischen und Griechischen gelten korrekte Sprachregelungen offenbar mehr als Theologie. Da kommt die Frohe Botschaft abwechselnd von \u201eGott\u201c oder \u201eG\u00f6ttin\u201c, mal ist von dem, mal von der H\u00f6chsten die Rede. Dass Jesus nicht mehr der \u201eSohn\u201c, sondern das \u201eKind\u201c Gottes ist, geh\u00f6rt da noch zu den harmloseren Verhunzungen.<\/div>\n<div>Quelle: Focus<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denkschablonen statt Ergebnis offener Debatten \u2013 das hat viel mit den Medien zu tun. Schlie\u00dflich fallen die Vorstellungen davon, was gut und richtig ist, nicht einfach vom Himmel.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Der Medientheoretiker [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[2],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137"}],"collection":[{"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=137"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":139,"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137\/revisions\/139"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=137"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=137"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/haup.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=137"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}